Was macht eigentlich

Wendlingers 50er erinnert an Monaco, Imola, Schumacher

Karl Wendlinger wird am Donnerstag 50 Jahre alt. Der am 20. Dezember 1968 geborene Autorennfahrer aus Tirol hat neben vielen Sportwagen-Bewerben auch 41 Formel-1-Rennen bestritten. Geprägt war seine Karriere vor allem vom schweren Monaco-Unfall 1994, nach dem er im lange künstlichen Koma lag. Der Kufsteiner ist heute Mercedes-Markenbotschafter und Fahrsicherheits-Instruktor.

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Wendlinger war eine "Entdeckung" von Landsmann Gerhard Berger

Wendlinger ist von Beginn an als Mentor bei MySportMyStory mit dabei. "Bei MySportMyStory haben junge Sportler die Möglichkeit sich und ihre ersten Sponsoren in einem hochwertigen Umfeld zu präsentieren - das ist die Basis einer professionellen Sportkarriere!", so er ehemalige Formel 1 Fahrer.

Karl Wendlinger war als "Entdeckung" von Landsmann Gerhard Berger in den 1980er-Jahren ein kometenhafter Aufstieg gelungen. Gegen (Formel 3) und mit (Sportwagen-WM) dem späteren Rekordweltmeister Michael Schumacher behauptete sich der schnelle Kufsteiner in praktisch jeder Klasse und schaffte 1991 den Einstieg in die Formel 1.

Doch 1994 wurde der Österreicher Teil eines der dunkelsten Kapitels in der Geschichte der Königsklasse. Wenige Tage nach den tödlichen Unfällen von Roland Ratzenberger und Ayrton Senna in Imola verunglückte Wendlinger am 12. Mai in Monaco selbst so schwer, dass er 19 Tage im künstlichen Koma lag. Trotz erstaunlich rascher Erholung und sechs weiterer Rennen im Folgejahr war für den Österreicher die Karriere in der Königsklasse ein Jahr später vorbei. Sein letztes Rennen war im November 1995 jenes in Adelaide, bei dem der Finne Mika Häkkinen im Training so schwer verunglückte, dass er ins Koma versetzt werden musste.

Wendlinger blickt ohne Wehmut oder Zorn auf diese Phase seines Lebens zurück. "Ich habe nie damit gehadert, weil ich intuitiv das Gefühl hatte, dass es passieren musste. Wenn nicht in Monaco, dann woanders. Und es war niemand schuld außer ich selbst", erklärte der Tiroler im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur.

Der Tiroler kann sich nach wie vor nicht an den Unfall erinnern, bei dem er im freien Training mit seinem Sauber-Mercedes nach dem Tunnel mit 270 km/h in die Barriere der Hafenschikane gecrasht war und schwere Hirnprellungen erlitten hatte. Eher an die Dinge davor. "Etwa, dass ich von Imola weg nicht mehr zur Ruhe gekommen bin, im Kopf durcheinander war, was keiner von außen gesehen hat."

Warum das Frühjahr 1994 zu einem der fürchterlichsten in der Formel-1-Geschichte geworden war, kann sich auch Wendlinger nicht erklären. "Es hat begonnen mit dem Unfall von Rubens Barrichello am Freitag. Alle im Fahrerlager haben gesagt, es kann dir also eh nichts passieren, weil die Formel 1 so sicher ist. Und dann hatten wir Samstag und Sonntag jeweils einen Toten." Wendlingers Schluss: "Wenn dir damals zur falschen Zeit am falschen Platz zur falschen Zeit der Flügel wegbrach wie bei Roland Ratzinger, konnte so etwas halt passieren. Aber warum sich das so auf Imola konzentriert hat, weiß kein Mensch."

Auch das Unfallkoma ist bei Wendlinger nicht negativ behaftet. "Weil ich mich ja an nichts erinnere. Es wäre sicher anders, wenn du danach im Rollstuhl sitzt. Der Unfall ist Teil meines Lebens. Aber er beschäftigt mich nicht so, dass ich das Thema wegschieben müsste."

Dass er trotz schneller Rückkehr in der Formel 1 keine Chance mehr hatte, ist auch für Wendlinger ein Beleg, dass man ein mehrwöchiges Koma erst verarbeiten muss. "Zunächst war ich eh sofort wieder schnell. Aber dann ist auf einmal nichts mehr gegangen. Ich konnte mich keine zwei Sekunden mehr konzentrieren, hinzu kam ein eklatanter Gewichtsnachteil. Da war die Schlussfolgering logisch, dass meine Zeit in der Formel 1 beendet ist."

Erst 1997, also drei Jahre später, habe er wieder seine volle Leistung abrufen können. Da fuhr Wendlinger Tourenwagenrennen für Audi. "Es hat also seine Zeit gebraucht." Wendlinger wurde in der Folge u.a. Meister in der FIA-GT-Meisterschaft, fuhr DTM-Rennen, absolvierte mehrmals den 24-Stunden-Klassiker von Le Mans, gewann 2000 die 24 Stunden von Daytona und wurde 2007 zum zweiten Mal zu Österreichs Motorsportler des Jahres gewählt. Wendlinger ist begehrter Experte in diversen TV-Formaten.

An die Zeit mit Michael Schumacher erinnert sich Wendlinger gut. "Wir sind 1989 gemeinsam Formel 3 als Mercedes-Benz-Juniorteam gefahren. Michael war von Anfang an schnell, aber nicht unerreichbar. Auffällig war er aber vor allem durch seinen Ehrgeiz und Einsatz und sein unbedingtes Wollen", erinnerte sich der Österreicher. "Er hat sich immer weiterverbessert. Es war nie Stillstand. Das hat ihn unterschieden."

Schumacher selbst wird am 3. Jänner 50 Jahre alt. Seit einem Ski-Unfall im Dezember 2013 wird der Deutsche von der Öffentlichkeit abgeschirmt, über seinen aktuellen Gesundheitszustand ist nichts bekannt. "Es wäre schön, wenn man irgendwann eine positiv Nachricht kriegen würde", sagte Wendlinger. "Ich wünsche ihm nur das Beste."

Wendlinger lebt nach wie vor in Kufstein und hat zwei Kinder. Sohn Jonas (18) ist ein talentierter Fußballer und kickt seit zwei Jahren beim deutschen Bundesliga-Club 1. FC Nürnberg. "Fußball ist auf jeden Fall günstiger für die Eltern als Motorsport", weiß Wendlinger.

Motorsport sei heute nämlich teilweise unbezahlbar. Was für Wendlinger mit ein Grund ist, warum seit acht Jahren (Christian Klien) kein Österreicher mehr in der Formel 1 startet. "Wenn du ein großes Talent bist, hast du zwar etwa durch die Red-Bull-Nachwuchsförderung eher eine Chance als früher. Aber schon im Kartsport sind die Kosten enorm. Als 16-Jähriger braucht's in der Formel 4 mindestens 250.000 Euro, mit 17 in der Formel 3 bist du bei 600.000 Euro. Viele Talente kommen also wegen dem Geld gar nie in Position zu zeigen, was sie können."




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