Von der Ballerina zur Eisstock-Prinzessin – Kathi Triendl räumt mit Vorurteilen auf

Es ist ein Sport der Vorurteile genießt und dennoch die viertgrößter Breitensportart in Tirol ist: das Eisstockschießen. Katharina Triendl ist seit ihrem 12. Lebensjahr eben jener Leidenschaft verfallen und darf sich stolze 21-fache Landesmeisterin nennen. Eine gehörige Brise Talent wurde der Tirolerin in die Wiege gelegt. Unzählige Stunden trainierte sie von Kindheit an. Sommer wie Winter nennt sie die Trainingsanlage in Scharnitz bei Seefeld ihr zu Hause, ehe die Athletin vor drei Jahren in den österreichischen Nationalkader aufgenommen wird. Als die 19-Jährige die Mannschafts-Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft erobert, hat die Sportlerin endgültig Blut geleckt: „Ich will Weltmeisterin im Einzelschießen werden“.

„Ich war immer sportlich. Nach zehn Jahren Ballett und Gymnastik habe ich ein anderes Hobby intensiviert und das war damals das Eisstockschießen“, beginnt Katharina zu erzählen. „Mit meinem Papa Engelbert war ich schon als Kind immer auf der Anlage, habe dort gespielt während die Erwachsenen trainierten“, blickt die 19-Jährige zurück. Heute gilt die Eisstockschützin als Ausnahmetalent. 2017 holte sie in der Mannschaft WM-Bronze.

Eisstockschießen- ein unterschätzter Sport für Vierzig plus?
Katharina Triendl steht kurz vor ihrem zwanzigsten Geburtstag. „Eigentlich ist doch dieser Sport nur etwas für ältere Menschen, oder? Eigentlich ist das ja kein richtiger Sport, oder?" Das waren meine früheren Worte, als sich mein Vater zum Training aufmachte“, muss Kathi schmunzeln. „Ich war damals noch jung, aber man muss schon sagen, dass sich das Eisstockschießen nicht das ideale Image erworben hat. Im Gegensatz zu Curling ist es noch nicht olympisch und wird oft nicht als richtige Sportart angesehen. Doch 4 Komponenten habe alle Sportarten gemeinsam. Und das sind: Technik, Taktik, Körper und Geist (Anmerkung: Mental). Erzählt Katharina in der Öffentlichkeit von „ihrem Sport“ wird sie oft angeschmunzelt, manchmal vielleicht auch nicht ganz ernst genommen. „Wirklich Ansehen mit dieser Sportart zu bekommen ist natürlich schwer, denn es gibt eine Breite an attraktiveren Sportdisziplinen für die Außenwelt. Doch mittlerweile stehe ich zu meinem Sport, bin stolz auf meine Ergebnisse und Titel und habe Menschen um mich, die mich unterstützen.
Der Stocksport rückt immer weiter in die Volksschulen und Mittelschulen. Er ist ja nicht umsonst der viertgrößte Breitensport Österreichs“.

„Meinem Ehrgeiz habe ich es zu verdanken, dass ich niemals aufgebe“!

Und die Ansage ist Programm. Katharina ist 21-fache Landesmeisterin, ebenso amtierende Landesmeisterin im Mixed-Bewerb. Sie erzielte bisher acht Mal ÖM-Bronze und holt 2017 Gold im Girl´s Trophy Einzelbewerb. Den größten Erfolg verzeichnete Triendl allerdings im Jahr 2017 bei der Weltmeisterschaft in Amstetten. Nach einem 6. Rang in der Vorrunde schaffte sie es beim Einzelschießen ins Finale und belegte dort unter 28 Starterinnen den 8. Rang, also einen herausragenden Top-10-Platz. Im Team-Bewerb belegte die Ausnahmeschützin mit der Nationalmannschaft U23 den sensationellen 3. Platz hinter Deutschland und Italien, wobei lächerliche 8 Punkte auf die Silber-Medaille fehlten. Stolz fügt die Tirolerin hinzu: „In der Qualifikationsrunde schaffte ich sogar meine bisherige Bestmarke mit 300 Punkten noch einmal zu toppen“. Und schon hat die ehrgeizige Sportlerin ein neues Ziel für ihre sportliche Zukunft: „Ich möchte konstant 300 Punkte erzielen und noch mehr Leistung zeigen“. Die Saison der Eisstockschützen hat bereits begonnen. Das nächste Turnier, der Europa-Cup für Damen-Vereinsmannschaften, findet von 16. Bis 18. November in Kufstein statt.

 

„Du kannst den Wind nicht ändern, aber du kannst die Segel anders setzen“

Der Sport steht für mich jeden Tag meines Lebens an erster Stelle. Seit ich im Kader trainiere, stehen aber auch Dinge, wie Ausdauer- und Krafttraining auf dem Tagesplan. Zusätzlich gehe ich auch zum Mentaltraining“, erzählt Triendl. „Im Eisstockschießen ist es sehr wichtig, dass man sich gut auf sich selber konzentrieren kann. Wir schießen Bahn neben Bahn. Jede noch so kleinste Ablenkung kann das Ergebnis beeinflussen“, stellt die Schützin klar und ergänzt: „Ein guter Mentaltrainer hat mal zu mir gesagt, dass sich erfolgreiche Menschen ihre Fehler auf den ersten Blick nicht ansehen lassen. Sie halten ihren Kopf aufrecht. Das hat mir schon oft geholfen“, zeigt sich Triendl dankbar. „Ich bin sehr selbstkritisch und will immer höher hinaus. Aber ich habe in den letzten Jahren, nicht nur an sportlicher- sondern auch an mentaler Stärke dazugewonnen. Ich glaube an mich selbst“, strahlt die Sympathieträgerin, die sich derzeit in Ausbildung zur Therapeutin für Dyskalkulie (Anmerkung: ein Verständnisproblem in Grundlagenbereichen, wie Zahlenbegriffe, Grundrechnungsarten, etc.) befindet.

 

Als Vorbild sieht die Ehrenbürgerin von Scharnitz ihren Papa Engelbert: „Vorbilder sind für mich Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen und jeden Tag an sich arbeiten, um besser zu werden“, betont Kathi und während sich eine kleine Träne in ihren Augen bildet fügt sie abschließend hinzu: „Ohne die Unterstützung meiner Familie, aber vor allem die meines Papas, wäre so vieles in meinem Leben nicht möglich gewesen“.

 



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