USA beim 42. Ryder Cup Favorit, Europa setzt auf Heimvorteil

Im 42. Ryder Cup gegen die USA spielen die besten zwölf europäischen Golfer den Heimvorteil aus. Der prestigeträchtige Kontinentalwettkampf und wichtigste Teambewerb im Golf findet diesmal vor den Toren von Paris statt. Die US-Profis um Tiger Woods sind aber Favoriten, sie wollen eine 25-jährige Sieglosigkeit bei Auswärtsbegegnungen beenden.

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Woods und Co. gelten als Favoriten

Nachdem die USA von 1959 und 1983 den Cup durchgehend gewonnen hatten, folgten unglaubliche 25 Jahre ohne Auswärtssieg. Dieser gelang zuletzt 1993 in the Belfry, es ist der einzige Auswärtserfolg der Amerikaner seit 1981. In diesen 37 Jahren haben sich die Europäer auf amerikanischem Boden viermal durchgesetzt und zudem in Spanien, Irland, Wales und Schottland gewonnen. Der nächste Sieg soll nun in Frankreich folgen.

Bemerkenswert an dieser Bilanz ist, dass die Europäer statistisch fast immer als Außenseiter ins Rennen gegangen waren. Mit Teamgeist und dem im ohne Preisgeld gespielten Ryder Cup doch sehr wichtigen Heimvorteil - diesmal werden in Saint-Quentin-en-Yvelines gleich 270.000 vermutlich sehr "emotionale" Zuschauer erwartet - wurde dies aber oft wett gemacht. "Auf dem Papier sind wir wahrscheinlich Außenseiter. Aber wir glauben immer noch, dass wir gewinnen können", sagte Europa-Kapitän Thomas Björn. "Auf dem Papier" sind die Amerikaner im "Le National" nahe der französischen Hauptstadt tatsächlich auch diesmal klare Favoriten. Nach vielen Jahren der Demütigung - ab 2002 erlitten sie in sieben Duellen Niederlagen - schlugen die Amerikaner zumindest bei der jüngsten Heim-Begegnung vor zwei Jahren deutlich zurück. Sie siegten in Minnesota klar mit 17:11. Nun soll es nach 25 Jahren auch auswärts endlich wieder klappen.

In Paris sprechen die Erfahrung, die Erfolge bei großen Einzelturnieren und die Positionen in der Weltrangliste sogar so deutlich für die amerikanische Auswahl wie nie zuvor. Die zwölf US-Golfer haben 31 Major-Turniere gewonnen. Selbst wenn man die 14 Grand-Slam-Siege des wiedererstarkten und ins Team zurückgekehrten Ausnahmegolfers Woods abzieht, sind die Amerikaner immer noch mehr als doppelt so erfolgreich wie die Europäer, die nur acht Major-Titel vorweisen können. Die Hälfte davon gehen auf das Konto von Rory McIlroy.

Dazu kommt: Für Europas Team haben sich nach den Punktewertungen fünf Spieler direkt qualifiziert, die weder ein Major gewonnen noch jemals im Ryder Cup mitgespielt haben. Auch deshalb vergab Europas Captain Thomas Björn seine vier Wildcards an die erfahrenen Spieler Sergio Garcia, Henrik Stenson, Ian Poulter und Paul Casey. Björn wollte offensichtlich nicht noch weitere Rookies an Bord haben. Ins US-Team haben es hingegen nur drei Neulinge geschafft: Justin Thomas, Tony Finau und der zuletzt überragende Bryson DeChambeau. Punkto Weltrangliste ist die Überlegenheit der Amerikaner noch erdrückender. Im US-Team von Captain Jim Furyk stehen fünf Spieler aus den Top Ten der Weltrangliste. Finau ist als Weltnummer 17 der Zweitschlechteste im Team. Die Europäer dagegen stellen sechs Spieler von außerhalb der Top 20.

Aber schon das einzige Leistungskriterium, in dem die Europäer die Nase vorne haben, könnte entscheidend sein. Europas Spieler haben rund 60 Prozent ihrer früheren Einsätze im dreitägigen Wettkampf gewonnen, die Amerikaner dagegen nur rund 50 Prozent. Ausgesprochene Spezialisten im Matchplay, nach dem der Ryder Cup ausgetragen wird, sind die Engländer Justin Rose und Ian Poulter sowie der Spanier Sergio Garcia. Im US-Team sind die Blicke vor allem auf Phil Mickelson und Tiger Woods gerichtet. Der bereits 48-jährige Mickelson tritt zum zwölften Mal im Ryder Cup an. Er wird damit alleiniger Rekordhalter. Der Engländer Nick Faldo brachte es von 1977 und 1997 auf elf Nominierungen.

Woods könnte eine Woche nach seinem Comeback-Triumph seine Karriere-Bilanz entscheidend auffetten. Er hatte die jüngsten beiden Ryder Cups verletzungsbedingt verpasst, hat aber aus seinen sieben vorangegangenen Teilnahmen eine negative Bilanz. Genau auf den Schläger geschaut wird Woods auch von Bernd Wiesberger. Österreichs derzeit verletzter Top-Golfer ist ein Experte beim TV-Bezahlsender Sky und kennt den "Albatros"-Kurs in- und auswendig, hat er hier doch 2015 mit den Open de France seinen bisher größten Turniererfolg gefeiert. Österreichs zweiter Beitrag diese Woche war Emma Spitz. Österreichs weiblicher Jungstar hatte sich zum bereits zweiten Mal für den Junior Ryder Cup qualifiziert, den die USA diesmal im Pariser Disneyland-Ressort knapp mit 12,5:11,5 gewannen. Spitz steuerte einen von drei möglichen Punkten bei.



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