U20-WM – Tag 3: Diessl und Kamenschak brillieren mit Rängen 5 und 8 in den Finalläufen

Am Mittwoch stand in Cali/COL der dritte Tag der U20-Weltmeisterschaften auf dem Programm. Vom ÖLV-Team waren diesmal vier Athleten im Einsatz, Enzo Diessl wurde großartiger Fünfter Finale über 110m Hürden, Kevin Kamenschak toller 8. im 1500m-Finale und die beiden Mehrkämpferinnen Sophie Kreiner und Anja Dlauhy absolvierten den ersten Tag ihres Siebenkampfes.

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Diessl brilliert in den Finalläufen

Dlauhy und Kreiner im Siebenkampf auf den Zwischenrängen 11 und 19

Im Siebenkampf geht in Cali mit Sophie Kreiner (ATVS Linz LA) und Anja Dlauhy (ULC Riverside Mödling) ein ÖLV-Duo an den Start. Los ging es bereits um 8:30 Ortszeit mit den 100-Meter-Hürdenläufen. Danach folgte der Hochsprung, eine der stärksten Disziplin beider Österreicherinnen.

Dlauhy, die über die Hürden eine PB von 14,17s stehen hat, startete gut, hatte dann aber mehrfach leichte Probleme die Balance nach der Hürdenüberquerung zu halten und kam auf eine Zeit von 14,53s (-0,3). Im Hochsprung wirkte die Niederösterreicherin sehr fokussiert und hatte bis 1,72m keinen Fehlversuch. Die folgenden 1,75m, die für die 19-Jährige Saisonbestleistung bedeutet hätten, waren heute aber zu hoch. Nach zwei von sieben Disziplinen liegt die Traiskirchnerin mit 1.784 Punkten damit auf Rang 11, in Führung Sandrina Sprengel (GER) mit 1.978 Zählern.

Anja Dlauhy: „Insgesamt war es ein ganz solider Start. Bei Hürden bin ich ein bisschen zu vorsichtig gelaufen und Hochsprung war bis 1,72 sehr gut. Es ist schade, dass sich 1,75 dann knapp nicht mehr ausging, weil ich weiß, dass diese Höhe heute drinnen gewesen wäre.“

Kreiner kam gut aus den Startblöcken und war auf den ersten Hürden gut dabei, verlor gegen Ende des Rennens etwas an Boden, erreichte mit 14,68s (-0,4) aber neue Saisonbestleistung. Im Hochsprung begann die Oberösterreicherin schon bei 1,54m, bis 1,63m übersprang sie alle Höhen problemlos. Dann war aber plötzlich der Wurm drinnen, sie konnte wegen Problemen in der Lendenwirbelsäule keine technisch saubere Lattenüberquerung mehr machen. Die 18-Jährige scheiterte überraschend drei Mal an 1,66m und blieb damit deutlich unter ihren Erwartungen. In der Gesamtwertung bedeutet das mit 1.655 Punkten Position 19 unter 24 Teilnehmerinnen.

Sophie Kreiner: „Das Einlaufen bei den Hürden war sicher besser als der Bewerb dann selbst. Hochsprung ist einfach enttäuschend. Die letzten Trainings hatten eigentlich ganz gut ausgeschaut, dass es jetzt so gar nicht läuft hatte ich nicht erwartet.“

Diessl stürmt mit neuerlichem Rekord zu Platz 5 im Hürdenfinale

Im Semifinale hatte Enzo Diessl (SU Leibnitz) seinen eigenen ÖLV-U20-Rekord auf 13,59s gedrückt und so mit der insgesamt sechstschnellsten Zeit aller Teilnehmer souverän das Finale erreicht. Dort wollte der Leibnitzer noch einmal angreifen und diese Zeit wenn möglich weiter verbessern. Auf Bahn 1 startend kam er sehr gut aus den Blöcken, touchierte dann aber die dritte und vierte Hürde leicht. Insgesamt war es aber ein ausgezeichneter, sehr rhythmischer Lauf, der nach Fotofinish auf dem sensationellen 5. Rang endete und damit alle überraschte. Zusätzlich verbesserte der Steirer den von ihm gehaltenen ÖLV-U20-Rekord noch einmal um 5/100s auf nunmehr 13,54s (0,2). Der erst 18-Jährige war damit auch zweitbester Europäer, nur Matthew Sophia (NED / 13,34s) lag als Dritter vor ihm, Gold holte sich Antoine Andrews (BAH) in 13,23s, Silber ging an Malik Mixon (USA), der 13,27s (PB) benötigte.

„Ich bin mega froh über dieses Ergebnis. Ich wusste, wenn ich was Gutes im Finale haben will dann muss ich Gas geben, das habe ich gemacht. Es war wieder kein optimaler Lauf, ich habe wieder ein paar kleine Strauchler gehabt, das hat sicher ein paar Hundertstel gekostet, aber ich bin mehr als zufrieden.“

Trainerin Beate Hochleitner: „Mir fehlen die Worte, Enzo hat in seinem ersten internationalen Finale wieder Bestleistung aufgestellt. Es war noch immer nicht der perfekte Lauf, aber da darf man jetzt nicht schimpfen, es ist einfach nur cool.“

Toller Platz 8 für Kamenschak über 1500m

Im Vorlauf vor zwei Tagen hatte Kevin Kamenschak (ATSV Linz LA) das Heft selber in die Hand genommen und mit toller Tempoarbeit dafür gesorgt, dass er über die Zeitregel ins Finale aufsteigen konnte. Vor ihm hatte das noch kein Österreicher bei einer U20-WM über diese Distanz geschafft. Der Oberösterreicher startete im Endlauf wie üblich nicht zu flott, hielt sich auf der ersten Runde am Ende des Feldes auf und damit auch aus dem Gedränge im Mittelfeld heraus. Die Kenianer sorgten wie erwartet für ein hohes Tempo, die ersten 800m wurden vom Führenden des dann schon langgezogenen Feldes in 1:55,93min absolviert. Eine perfekte Situation für den Linzer, der sich auf der dritten Runde sogar kurzzeitig auf Position 7 nach vorne schob, als die ersten Läufer abreißen lassen mussten. Auch auf der Schlussrunde konnte der Hallenstaatsmeister über diese Distanz sein Tempo halten und kam auf dem großartigen 8. Platz ins Ziel. Mit tollen 3:40,95min pulverisierte er seine erst vor wenigen Wochen aufgestellte PB von 3:43,03min nicht nur um mehr als zwei Sekunden, er verpasste damit den fast 42 Jahre alten ÖLV-U20-Rekord seines Vereinskollegen Mike Hillardt aus dem Jahr 1980 nur um 26/100s. Der 18-Jährige war damit drittbester Europäer und darf sich damit nach Platz 7 im Finale der U20-EM 2021 über sein nächstes internationales Top-Ergebnis freuen. Den Sieg holte sich wie erwartet der große Favorit Reynold Cheruiyot (KEN) in 3:35,83min.

„Es war klar, dass es ein schnelles Rennen wird, Top-10 war mein Ziel. Das Rennen war richtig, richtig hart, aber mit dem 8. Platz und der neuen PB bin ich überglücklich. Ohne die vielen Personen wie Trainer, Physio, Masseur und Mentaltrainer wäre das nicht möglich gewesen.“

Trainer Andreas Prem: „Von der Meldeliste her war ja nicht einmal mit dem Finale fix zu rechnen. Im Vorlauf hat Kevin die Taktik schon perfekt umgesetzt, für ein schnelles Rennen gesorgt und ist verdient ins Finale eingezogen. Das Finale konnte er dann richtig genießen, mit so einem cleveren Rennen und Platz 8 macht es mich stolz, dass unsere Arbeit so aufgeht.“

Siebenkampf: Kreiner übernachtet auf Rang 14, auch Dlauhy mit Platz 17 im Mittelfeld

Der Siebenkampf wurde am Nachmittag mit den Disziplinen Kugelstoß und 200m fortgesetzt.

Sophie Kreiner (ATVS Linz LA), eine starke Kugelstoßerin, wurde zwar weiterhin durch unangenehme Rückenschmerzen behindert, schaffte aber trotz Regens mit 12,65m / 12,71m / 12,40m eine unter diesen Umständen starke Serie. Ein Vorstoß auf Position 14 war der Lohn für dieses Ergebnisses. Die Linzerin biss sich auch über die letzte Disziplin des ersten Tages, den 200m durch und finishte in neuer Saisonbestleistung von 25,16s (0,5).

In der Gesamtwertung bedeutet das für die 18-Jährige mit 3.235 Punkten Position 14, in Führung liegt Titelverteidigerin Saga Vanninen (FIN) mit 3.666 Zählern.

Sophie Kreiner: „Die intensive Physiotherapie in der Mittagspause hat sehr geholfen, meinem Rücken ging es am Nachmittag doch um einiges besser, wenn ich auch nicht schmerzfrei war. Mit der Kugel und dem 200er bin ich unter diesen Umständen ganz zufrieden. Es war nicht ganz leicht sich nach dem verpatzten Hochsprung wieder aufzuraffen, aber das Feeling im Stadion mit den extrem vielen Zusehern war richtig cool, das hilft auch wieder.“

Für die zierliche Anja Dlauhy (ULC Riverside Mödling) ist das Kugelstoßen keine Lieblingsdisziplin, sie verliert hier etwas an Boden auf die Konkurrenz. Nach 9,19m und 9,01m wurde der Wettkampf für mehr als zwei Stunden unterbrochen unterbrochen, danach schaffte die Traiskirchnerin noch eine Steigerung auf 9,46m, die angestrebte 10-Meter-Marke konnte aber nicht übertroffen werden, ein Rückfall auf Zwischenrang 17 war die Folge. Über die 200m war die 19-Jährige aber wie erwartet wieder stärker und konnte eine Zeit von 25,50s (0,5) erzielen.

Nach vier von sieben Disziplinen liegt die Niederösterreicherin mit 3.119 Punkten damit auf Rang 17 unter 24 Teilnehmerinnen.

Anja Dlauhy: „Kugel war aufgrund der nassen Bedingungen heute noch schwieriger als sonst für mich, dafür ist die Weite ganz ok. Die Stimmung beim 200er im Stadion war richtig gut, auch wenn die Zeit leider nicht so schnell wie erhofft war hat der Lauf viel Spaß gemacht.“



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