Toto Wolff: Der Weltmeister-Macher der "Sternenflotte

Toto Wolff hat den Formel-1-Rennstall Mercedes zum Weltmeister-Team geformt. Seit 2013 trägt der Wiener als Motorsportchef die Verantwortung für die "Silberpfeile". Der 46-Jährige versteht sich als Manager und weiß ganz genau, wie er mit seinem Superstar Lewis Hamilton umzugehen hat. Mit diesem erfolgreichen Führungsstil hat Wolff Mercedes bisher acht Formel-1-WM-Titel beschert.

Nach dem Grand Prix von Mexiko am Sonntag (Start: 20.10 Uhr MEZ/live ORF eins) könnten es sogar zehn sein. Denn Hamilton genügt auf 2.250 Höhenmetern im Autodromo Hermanos Rodriguez bereits ein siebenter Platz zur erfolgreichen Titelverteidigung. Und sollte der Engländer gemeinsam mit seinem finnischen Teamkollegen Valtteri Bottas 20 Punkte mehr als die Konkurrenz von Ferrari holen, dann wäre Mercedes auch zum fünften Mal en suite Konstrukteurs-Weltmeister.

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Toto Wolff kann gut mit Lewis Hamilton

"Eine Organisation zu managen, hängt hauptsächlich davon ab, wie du als Mensch bist. Ich glaube, das Wichtigste ist, authentisch zu sein", erklärte Wolff jüngst in einem Audio-Beitrag auf der offiziellen Formel-1-Homepage, als er nach seinem Erfolgsrezept gefragt wurde. Auch will sich Österreichs ehemaliger Rallye-Vizemeister (2006) nicht auf dem Erreichten ausruhen. Er will immer mehr. Wolff spricht mehrere Sprachen und ist keiner, der Angst hat, seine Meinung zu sagen. Und das macht ihn auch zum kongenialen Führungspartner von Teamaufsichtsrat Niki Lauda, der wegen einer Lungentransplantation seit drei Monaten nicht beim Rennstall sein kann.

Ein Dialog der beiden zeigt, wie sie auch miteinander reden. Als Wolff Lauda nach dem Eingriff im Krankenhaus auf der Intensivstation besuchte, begrüßte er den dreifachen Formel-1-Weltmeister nach eigenen Angaben mit den Worten: "Du siehst besser aus, als ich gedacht habe." Laudas Antwort, so Wolff: "Arschloch." Das wiederum sei die beste Antwort gewesen, die er in seinem Leben gehört habe, meinte Wolff: "Da wusste ich: Niki ist zurück."

Seit Anfang 2013 ist der Wiener Teamchef der "Silberpfeile", seitdem ist auch Lauda mit dabei. Beide besitzen Anteile am Rennstall, Wolff 30 Prozent, Lauda zehn Prozent. Mercedes habe damals einen Managing Partner gesucht, der auch ein gewisses Risiko eingeht. Für beide Seiten sei es eine Win-Win-Situation, kommentierte Wolff sein Engagement. Im Februar vergangenen Jahres wurden die Verträge der beiden Österreicher bis zum Ende der Saison 2020 verlängert.

"Im Jahr 2013 haben wir das Team-Management mit einem klaren Ziel umstrukturiert: die Performance zu verbessern. Seitdem haben die Ergebnisse unsere hohen Erwartungen sogar noch übertroffen. Ein Schlüsselfaktor war dabei die Kombination aus Totos unternehmerischer Kompetenz und Nikis großer Erfahrung", kommentierte Daimler-Chef Dieter Zetsche die neuen Verträge für Wolff und Lauda. Als Führungsduo durften sie sich seit der Amtsübernahme bisher über 75 Mercedes-Rennsiege freuen.

Ein gänzlich Unbekannter war der ehemalige Rennfahrer Wolff bei seinem Amtsantritt für Mercedes nicht im Fahrerlager. Als Pilot hatte er es zwar nie bis in die Formel 1 geschafft, doch seit 2009 gehörten ihm schon Anteile am Williams-Rennstall. Für das britische Traditionsteam war seine jetzige Ehefrau Susi (Mädchenname Stoddart), mit der er seit 2011 verheiratet ist und seit 10. April des Vorjahres Sohn Jack hat, einst auch als Testfahrerin aktiv. Wolff war schon länger im Motorsport bestens vernetzt, er managt auch Fahrer. Und Toto, der eigentlich Torger Christian Wolff heißt, versteht sein Business. Er studierte in Wien Wirtschaft und gründete vor 20 Jahren bereits seine erste eigene Investmentfirma. Mittlerweile ist der Vater dreier Kinder Selfmade-Multimillionär.

Seine eigene Kindheit, die er rückblickend selbst als "schwierig" bezeichnet, war für seinen weiteren Weg prägend. Sein Vater starb mit 41 Jahren, Wolff war damals gerade einmal 15. Und schon in den zehn Jahren zuvor sei sein Vater krank gewesen. Toto, wie er schon als Kind genannt wurde, besuchte damals die bekannte Privatschule Lycee Francaise in Wien, an der Wohlstand normal war, nicht so jedoch bei der Familie Wolff.

"Wir hatten nicht die Mittel – das ist vielleicht Teil des Traumas, das notwendig war für alles andere, was danach kam", erklärte Wolff. Wenn man als Kind oder Teenager so ein Trauma erlebe, werde es Teil von einem. "Wenn du es richtig kanalisieren kannst, kann es ein Antrieb werden", betonte Wolff, der vor dem frühen Tod seines Vaters auch schon die Scheidung seiner Eltern zu verkraften hatte.

Mit 17 wollte Wolff dann Rennfahrer werden. Um das Geld für einen entsprechenden Kurs zusammenzukratzen, bat er seine Familie um zwei Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke im Voraus und auf einmal. Knapp drei Jahrzehnte später steht Wolff nun kurz davor, der aktuell erfolgreichste Teamchef der Formel 1 zu werden. Derzeit liegt er noch mit vier Titeln in Serie in Fahrer- und Konstrukteurswertung gleichauf mit dem Briten Christian Horner von Red Bull, der mit dem Deutschen Sebastian Vettel als Toppilot von 2010 bis einschließlich 2013 alles abräumte. Danach begann die Dominanz von Mercedes.



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