Thiem zu langer Wien-Beziehung: "Titel wäre Krönung

Seit er zurückdenken kann, ist Dominic Thiem jedes Jahr zum Tennisturnier in die Wiener Stadthalle gekommen. Nun ist der 25-jährige Weltranglisten-Siebente zum ersten Mal beim Erste Bank Open topgesetzt. Beim neunten Antreten bzw. dem achten im Hauptbewerb und als Nummer eins träumt Thiem vom ersten Wien-Titel. Er startet am Dienstag gegen Ruben Bemelmans (BEL) ins Turnier.

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Thiem zu langer Wien-Beziehung: "Titel wäre Krönung"

"Der Titel wäre die ultimative Krönung", meinte Thiem bei einem Medientermin am Sonntag. Denn Wien sei sein "absolutes Heimturnier". "Seit ich drei oder vier Jahre alt war, war ich jedes Jahr da. Da hat es keine Unterbrechung gegeben. Vom Kleinkind, das noch nichts vom Tennis verstanden hat, bis zum interessierten Zuschauer, und dann der flüssige Übergang zum aktiven Spieler. Es ist eine echte Traumbeziehung."

Unvergessen bleibt ihm sein erster Hauptbewerb in der Stadthalle 2011, der gleichzeitig zum großen Abschied von Thomas Muster wurde. "Da denke ich daran, wie geil das Match, die Stimmung und wie besonders die Konstellation war." Zurück in der Gegenwart hat sich Thiem u.a. mit Kevin Anderson und Kei Nishikori auf sein Heimturnier eingeschlagen, auch mit dem neuen Turnierball Dunlop. "Er ist, wenn er neu ist, sehr schnell, aber er geht auch schnell auf, und dann ist er super zum Spielen." Die Platzbedingungen seien ähnlich wie jene bei seinem ersten Hallen-Titel vor wenigen Wochen in St. Petersburg.

Und das sagt Thiem zu seinen schärfsten Gegnern:

Nummer zwei, Kevin Anderson: "Mit dem habe ich Samstagabend trainiert. Er spielt sehr gut zur Zeit, aber er hat einen richtig schweren Erstrundengegner mit Basilaschwili. Der hat einen ziemlichen 'Atomlauf' gerade. Der hat Peking gewonnen und dann auch in Shanghai sehr gut gespielt." Thiem erwartete für das Match am Montag (nicht vor 17.00 Uhr) eine sehr enge Partie. Nummer drei, Grigor Dimitrow: "Bei dem weiß man nicht. Der hat aus Shanghai rausgezogen, spielt jetzt kein sehr gutes Jahr, aber ist auch ein Spieler, bei dem von einem Moment auf den anderen alles aufgehen kann. Der kann theoretisch dieses Turnier und Paris gewinnen. Der hat sicher einige Zeit zum Trainieren gehabt, um sein eher schwaches Jahr zu vergessen. Mit dem kann man sicher rechnen."

Nummer vier, John Isner: "Den, glaube ich, wünscht sich keiner, vor allem da in der Halle. Man kann es nicht glauben, aber der fühlt sich auch auf langsamen Belägen wohler, weil er dann nach seinem Aufschlag noch mehr Zeit hat. Deshalb kommt ihm das sehr entgegen. Er war noch nie beim Masters, hat aber heuer seine größte und vielleicht auch letzte Chance. Dass heißt, der wird alles reinhauen." Nummer fünf (und auch Mitkonkurrent um London), Kei Nishikori: "Mit ihm habe ich hier auch schon trainiert. Er trifft (den Ball) auch wieder richtig gut. Er hat eine Extramotivation, weil er noch voll im Race drinnen ist."

Anderson und Isner hatten sich vor einigen Monaten in Wimbledon ein Halbfinale auf Biegen und Brechen geliefert, das erst nach 6:36 Stunden und einem 26:24 im fünften Satz zu Ende war. Was Thiem zur Regeländerung (Tiebreak bei 12:12 im fünften Satz) sagt und ob er sich das auch für Australien und Frankreich wünscht? "In Paris, da wird das höchstwahrscheinlich nicht passieren, weil es eben Sand ist, und weil irgendwann immer ein Break passiert. In Australien ist es ähnlich, da ist es heiß, richtig anstrengend." Wimbledon sei da schon ein Spezialfall. "Ich finde gut, dass sie diese Regelung eingeführt haben. Es war schon unfair dem Anderson gegenüber, der hat zwei unfassbare Partien gespielt und war dann einfach 'tot' im Finale. Das entschärft man damit ein bisserl."

Obwohl vor einigen Wochen zunächst auf Instagram von Thiem selbst angekündigt, ist es um seinen neuen Sponsor Red Bull wieder ruhig geworden. Es wird wohl eher eine stille Partnerschaft werden. "Das ist eine unfassbare österreichische Firma und ich bin echt richtig glücklich, dass das geklappt hat mit der Zusammenarbeit. Ich werde natürlich hin und wieder auch eine Dose trinken, aber ich werde es nicht so wirklich öffentlich zelebrieren." Also auch nicht etwa mit einem Badge oder Dosen des Getränkeherstellers bei Medienauftritten. In Wien hat sich Thiem auch erstmals zum Davis-Cup-Weltgruppen-Gegner Chile geäußert. Österreich empfängt die Südamerikaner bei der Rückkehr in die oberste Spielklasse am 1./2. Februar 2019. "Es wird schwierig, aber mit dem Heimvorteil haben wir eine gute Chance. Aber jeder muss trotzdem seine Topleistung bringen. Es ist eine gute Chance, dass wir zu dem Endevent kommen, das richtig gut wird."

Thiem habe sich mit seinem Noch-Touring-Coach Galo Blanco, der im Organisationskomitee für den reformierten Davis Cup arbeitet, in Shanghai über das neue Finalturnier unterhalten. "Ich glaube, dass da nur das Masters in London mitkann mit dem Event, das wird ein einmaliges Erlebnis. Deshalb werden wir alles versuchen, dass wir dabei sein können."

Mit von der Partie ist beim Erste Bank Open auch Thiems kleiner Bruder Moritz. Allerdings noch nicht als Spieler, sondern als Backstage-Reporter für "Sky": "Das finde ich eine super Idee. Ich glaube, dass man durch ihn gute Einblicke kriegt, weil er auch gute Beziehungen zu den Spielern hat."

Über die sportliche Entwicklung des Bruders, der vor kurzem seine ersten ATP-Punkte gesammelt hat, äußert sich Dominic Thiem positiv. "Ich habe ihn jetzt öfters spielen gesehen und auch in der letzten Woche mit ihm trainiert. Er hat einen Riesenschritt gemacht und auch sehr gute Spieler bei den Futures geschlagen. Er wird langsam zum Mann, man sieht es körperlich, er ist viel fitter geworden." Thiem junior wird am 8. Dezember 19. "Ich glaube, dass er es schaffen kann. Wie weit es wirklich geht, wird man eh sehen", sagte Dominic über Moritz' Aussichten.




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