Thiem scheiterte gleich in erster Wimbledon-Runde

Dominic Thiems Rasen-Saison hat nur ein Turniermatch lang gedauert. Der Niederösterreicher unterlag am Dienstag in Runde eins von Wimbledon dem US-Amerikaner Sam Querrey 7:6(4),6:7(1),3:6,0:6 und kassierte damit im sechsten Anlauf die dritte Auftakt-Niederlage bei diesem Tennis-Grand-Slam-Turnier. Für Thiem geht es nun in eine weitere Turnierpause, ehe er ab 22. Juli in Hamburg auf Sand antritt.

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Große Ernüchterung bei Dominic Thiem

Thiem war gegen den gefährlichen Querrey auf einem guten Weg, zwei vergebene Satzbälle im zweiten Durchgang und vor allem das Break gegen sich zum 3:5 im dritten Satz brachten aber die Wende. Danach machte der Weltranglistenvierte gegen einen weiter konzentriert spielenden Gegner kein Game mehr. Auch wirkte Thiem da nicht mehr besonders motiviert, wenn nicht sogar lustlos. Einziges Positivum ist, dass er im Vergleich zu 2018 keine Punkte einbüßt.

Auch Thiem sah die Schlüsselszene in der Phase nach dem 4:3 in Satz drei. "Ich habe bis dahin gut und annehmbar gespielt. Dann hatte ich da den Return (bei Breakball Thiem, Anm.) ganz gut am Racket, habe ihn aber nicht verwertet. Da war ich ein bisschen angepisst, und er hat dann seinen ersten Breakball verwertet. Das war hart für mich, und danach hat nicht mehr viel bei mir funktioniert."

Den vierten Satz habe Sam Querrey dann "on fire" begonnen. "Da ist mir für kurze Zeit das Match entglitten. Das erste Game im vierten Satz habe ich richtig schlecht gespielt. Das, was ich mir vorwerfen kann, ist, dass ich dieses Game verhaut habe." Spätestens nach dem 0:3 habe er dann jedoch keine Chance mehr gesehen. "Wenn du gegen ihn ein Doppelbreak zurück bist, ist es beinahe unmöglich, noch zurückzukommen", räumte Thiem ein.

Die vergebenen Breakbälle würden am meisten wehtun, auch habe er da einmal zu passiv gespielt. Im Wesentlichen sei er aber gut auf das Match eingestellt gewesen. "Ich bin nur mental eingebrochen, als er seine erste Breakchance verwertet hat. Und das war es im Grunde."

Der erste Satz des 2:28-Stunden-Matches verlief für Thiem nach Plan. Er konnte zwar einen Breakball bei 1:1 und deren zwei bei 3:3 nicht nutzen, doch schon alleine die Erarbeitung dieser Chancen war positiv. Er returnierte recht gut, bewegte Querrey, und dieser rettete sich mehrmals nur durch seinen Aufschlag vor einem Break-Rückstand. Aber auch die Serviceleistung Thiems war lange sehr gut, Querrey kam mehr als zweieinhalb Sätze zu keiner einzigen Breakchance.

Einen kleinen Fehler des Weltranglisten-79. im ersten Tiebreak nutzte Thiem für das Mini-Break zum 5:3 und ließ einen starken Aufschlag folgen. Ein Out-Ball Querreys bedeutete die Satzführung, ehe der zweite Durchgang lange ähnlich verlief. Bei 5:4 fand Thiem nach schwächerer Serviceleistung Querreys zwei Satzbälle vor, wobei bei der zweiten Chance auf ein 2:0 in Sätzen ein Rahmenball des 1,98-m-Manns für ihn glücklich vor Thiems Grundlinie fiel.

Im zwei Games später folgenden Tiebreak hatte Thiem den Fokus verloren. Ein schnelles Minibreak gegen sich machte er zwar gleich wett, danach aber keinen Punkt mehr. Davon schien sich der zweifache French-Open-Finalist insofern zu erfangen, als es erneut ohne Break bis zum 4:3 für Querrey ging. Im siebenten Game des dritten Satzes ließ Thiem seinen sechsten und letzten Breakball per Return aus. Gleich darauf glückte Querrey das entscheidende 5:3.

"Ich hatte einen Breakpunkt, und er hat die Rückhand out geschlagen", sah auch Querrey darin den entscheidenden Ball. "Er hatte eine Reihe von Breakbällen, ich bis dahin nur den einen. Den habe ich genutzt, das ist der Unterschied." Weil Thiem Ranking-Vierter sei, sei der Druck auf dessen Seite gewesen. "Rasen ist nicht sein bester Untergrund, aber er ist trotzdem ein sehr guter Spieler. Mir hat das Eastbourne-Finale eine Menge Selbstvertrauen gegeben", betonte Querrey.

Hatten die Sätze eins und zwei je rund 50 Minuten gedauert, waren die beiden weiteren gemeinsam genauso schnell herum. Thiems gute Serviceleistung verdeutlichen 15 Asse (Querrey 21), er brachte mehr erste Aufschläge ins Feld. Auch am Netz und beim Return war kein großer Unterschied - jedoch bei der Breakballstatistik: Thiem verwertete 0 von 6, Querrey 4 von 4.
Auch Dennis Novak schied bereits in der ersten Runde aus. Der
25-jährige Qualifikant unterlag dem Ungarn Marton Fucsovics in 2:33
Std. 6:3,4:6,6:7(2),2:6. Novak wird in der Weltrangliste von Rang
104 aus zurückfallen, hatte er doch im Vorjahr bei diesem
Grand-Slam-Tennisturnier Runde drei erreicht.

Novak hielt sich mit 2:33 Stunden bloß fünf Minuten länger im Bewerb als Thiem, beide hatten nach Gewinn des ersten Satzes ihr Pulver weitgehend verschossen. "Ich habe im ersten Satz bis auf ein Aufschlag-Game ganz gut begonnen", sagte Novak nach der Niederlage. "Im zweiten bin ich ein bisschen passiver geworden." Der dritte Durchgang wiederum schien bei 2:5 schon verloren, aber Novak drehte ihn mit Breakvorsprung zum 6:5, verlor ihn aber doch im Tiebreak.

"Der Satz war komisch. Ich hatte einen Satzball abgewehrt, dann mache ich zwei gute Spiele zum 6:5, das Tiebreak war aber einfach schlecht von mir", erläuterte Novak. "Im vierten Satz ist er mir davongelaufen." Damit erging es ihm ähnlich wie Thiem gegen Querrey, als der nach dem Break zum 5:3 in Satz drei kein Game mehr abgab. Von einer Verletzungspause von Fucsovics Ende des dritten Satzes habe er sich nicht aus dem Rhythmus bringen lassen, stellte Novak fest.

"Enttäuscht bin ich auf jeden Fall", ließ er weiter wissen. "Es wäre sicher mehr drinnen gewesen, wenn ich besser serviert hätte." Während Thiem zumindest im Vergleich zum Vorjahr keine Punkte verliert, muss Österreichs Nummer zwei nun jene von der vorjährigen dritten Runde abschreiben. Das wirft den derzeitigen Weltranglisten-104. im Ranking im besten Fall "nur" bis auf Platz 120 zurück.

Damit muss Novak auf den erstmaligen Einzug in die Top 100 weiter warten, nachdem er vor eineinhalb Wochen im Finale des Rasen-Challengers von Ilkley nur einen Matchball davon entfernt gewesen war. Nach ein paar Tagen Pause geht es für Novak ab der übernächsten Woche mit den Sand-Turnieren in Baastad, Hamburg und Kitzbühel weiter, ehe er auf Hardplatz wechseln wird.




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