Thiem schaut in Paris wenn immer möglich Matches an

Wenn er nicht selbst auf den Courts trainiert oder ein Match bestreitet oder diverse Sponsoren- oder Medienverpflichtungen absolviert, dann ist Österreichs Tennis-Star auch ein Tennis-Fan. Dominic Thiem, der am Donnerstag in Runde zwei in Paris auf Alexander Bublik trifft, schaut Tennis sozusagen in allen Lagen wie er bei einem Medientermin einer österreichischen Journalistenschar verraten hat.

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Dominic Thiem spielt derzeit in Paris

"Es sind zum Glück eh überall Fernseher", sagte Thiem. So hat er auch einen Teil des Fünfsatz-Fights von Alexander Zverev am Dienstag gegen John Millman zumindest teilweise mitbekommen. "Ich habe es beim Aufwärmen fürs Training gesehen, dann den Schluss beim Fitness." Auch sonst ist es Thiem keinesfalls müde, sich mit seinem Sport zu beschäftigen. "Beim Essen schau ich immer überall die ganzen Matches, zum Glück sind überall die Fernseher - schön, dass man so viel Tennis sieht überall", meinte er lächelnd.

Am Mittwoch absolvierte er ein weiteres Training und stellte den Fokus nun ganz auf Alexander Bublik. Der 21-jährige Kasache, der übrigens in diesem Jahr in der ersten Qualifikationsrunde für die Australian Open dem Österreicher Jurij Rodionov unterlegen war, ist die Hürde zwei für Thiem. "Er serviert richtig gut, das macht ihn auch am unangenehmsten. Ich werde schauen, dass ich gut retourniere und so konzentriert wie möglich jeden Ballwechsel spiele", sagte Thiem.

Richtig gut kennt er den 1,96-m-Riesen nicht, aber sein Coach Nicolas Massu werde sich sicher einige Partien auf youtube anschauen, meinte Thiem. Dieser musste übrigens in den vergangenen Tagen auf ein Teammitglied verzichten, weil Fitnesscoach Duglas Cordero mit plötzlichen Magenschmerzen ins Spital eingeliefert werden musste. "Ja, der hat Blinddarm gehabt. Es ist kein Durchbruch, aber trotzdem hat er eine OP gehabt." Er sollte aber schon bald zum Team zurückkehren.

Wenn sein Arbeitstag beendet ist, dann hat Thiem in Paris Heimvorteil. Er wohnt bei seiner Freundin Kristina "Kiki" Mladenovic unweit von der Anlage. Und auch dort bleibt Tennis ein großes Thema. "Wir schauen beide total gern Tennis. Wir spielen ja nicht nur selber, sondern sind auch Tennisfans. Es macht Spaß mit ihr zu diskutieren und auch zu analysieren, weil sie sich halt auch sehr gut auskennt."

Dass das dann beim Zuschauen auf der Anlage nicht geht, das hat Thiem selbst zu spüren gekommen. Im ersten Match gegen Tommy Paul habe er deshalb "fast ein 'warning' bekommen", verriet Thiem. "Also sie sollte sich ein bisserl zurückhalten in den nächsten Matches", sagte der Vorjahres-Finalist schmunzelnd.

Natürlich unterhält er sich mit seiner Freundin, die schon einmal in den Top Ten gestanden ist, auch viel über Damen-Tennis. Die aktuellen Top 3 konnte Thiem aber dennoch nicht aufzählen. Zu seiner Verteidigung sei gesagt, dass die Rotation im Damen-Tennis in den Top Ten hoch ist. "Es können viel mehr Spielerinnen um die großen Titel spielen und Nummer 1 werden als bei den Männern. Was es auch in gewissem Maße interessant macht vielleicht." Starpotenzial sieht er in der aktuellen Nummer 1, Naomi Osaka. "Sie ist schon so ein Kandidat, die das Damentennis übernehmen kann, weil sie ein unglaublicher Typ ist."

Osaka hatte ihren Aufstieg an die Spitze ja auch dem Deutschen Sascha Bajin zu verdanken. Er war fast acht Jahre Schlagpartner von Serena Williams, arbeitete mit Caroline Wozniacki und Viktoria Asarenka. Dann kam das unerwartete Aus mit Osaka und nun trainiert Bajin Thiem-Freundin Mladenovic.

Beim Pärchen Thiem-Mladenovic gab es somit einen doppelten Trainer-Wechsel. Und auch einen dementsprechenden Effekt. "Ich merke selbst einen kompletten Unterschied, weil Kiki viel mehr trainiert, da sind schon zwei- dreistündige Sessions jeden Tag dabei. Ich glaube, dass ihr genau das gefehlt hat. Es ist wie Tag und Nacht wie sie spielt, vorher und jetzt."

Die Entwicklung von Thiem wird schon seit gut einem halben Jahr akribisch festgehalten. Sein Sponsor Red Bull dreht an einer ausführlichen Dokumentation und verfolgt Thiem schon seit dem Masters in London auf Schritt und Tritt. "Ich finde es cool, und ich glaube, dass die Doku mega wird. Für die Fans wird es ein unglaubliches Erlebnis, weil sie auch sehr viele Szenen gefilmt haben, wo die Fans sonst nie einen Einblick kriegen. Auch extrem private Szenen vor dem Spiel, nach dem Spiel von den ganzen Turnieren in dem Jahr, auch von Zeiten, wo es nicht so gut gelaufen ist", erzählt Thiem.

Auch er selbst ist schon gespannt auf das Resultat. Thiem hat das Team zwar nicht zu sich nach Hause gelassen, aber: "Sie waren bei den Großeltern, um über die Vergangenheit zu plaudern." Am Drehbuch schreibt er bildlich gesprochen selbst mit, der erhoffte Höhepunkt wäre der Titel in Roland Garros.




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