Stefan Kraft mit "Feuer in den Augen" zur Tournee

Stefan Kraft ist als Sieger von 2014/15 einer der heimischen Helden der Vierschanzen-Tournee. Doch nach den bisherigen Saisonresultaten ist er bei der kommenden 67. Auflage nur Außenseiter. Die Österreicher haben in sieben Weltcup-Bewerben durch Daniel Huber (3.) erst einen Podestplatz erreicht, dem Polen Piotr Zyla und Weltcup-Spitzenreiter Ryoyu Kobayashi (Japan) gelang dies hingegen in Serie.
 

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Stefan Kraft ist einmal mehr das Aushängeschild des ÖSV-Teams

Doch Cheftrainer Andreas Felder sieht das Trio Kraft, Huber und Michael Hayböck durchaus in Schlagweite zu den Besten. "Wenn sie ihre besten Sprünge zeigen können, dann traue ich ihnen Spitzenplätze zu", sagte der Tiroler im Vorfeld der am 30. Dezember in Oberstdorf startenden Tournee.

Doppel-Weltmeister Kraft ist einmal mehr das Aushängeschild des ÖSV-Teams, auch wenn es in den Wettkämpfen für ihn bisher nicht nach Wunsch geklappt hat. Nach nur drei Top-Ten-Platzierungen (5./8./10.) ist er 13. der Weltcup-Gesamtwertung. Sein Potenzial vermochte der Salzburger bisher nur im Weltcup-Training und der -Qualifikation zu zeigen.

"Bei Stefan fehlt nicht viel, wenn er Kleinigkeiten in den Griff bekommt, dann ist er vorne dabei", erklärte Felder gegenüber der APA. Kraft habe jedenfalls "Feuer in den Augen" für die Tournee. "Wenn er Lunte riecht, dann ist er reif für ganz vorne."

Kraft selbst sieht sich "auf dem aufsteigenden Ast". Im Wettkampf habe noch die letzte Lockerheit gefehlt, in Quali-Bewerben habe er aber gesehen, dass er bei den Besten dabei sei. "Da sind mir Sprünge ausgekommen, wo es richtig weit ging. Das sollte ich in den Wettkampf rüberbringen." Oberstdorf, wo der 25-Jährige bereits zwei Siege gefeiert hat, kommt da als Auftakt gerade recht. "Ich freue mich richtig auf die Tournee", erklärte der Skiflug-Weltrekordler. "In Oberstdorf beginnt wieder alles bei Null."

Huber und Kraft kennen einander aus der Jugendzeit, sie waren Zimmerkollegen in Stams. Danach haben sich die Wege getrennt, nach einem Kreuzbandriss absolvierte Huber erst 2017/18 seine erste komplette Weltcup-Saison. Felder hält viel von dem 25-jährigen "Draufgänger". Noch fehle in gewissen Situationen etwas Routine, doch das Potenzial sei groß.

Hayböck hatte sich angesichts seines Rückstands schon nach der zweiten Station zum Einzeltraining zurückgezogen. Doch in Engelberg ließ er zuletzt als früherer Sieger (2016) Aufwärtstendenz erkennen und war einmal Zehnter.

Sein Zimmerkollege Kraft ist nicht nur der bisher letzte Tournee-Gesamtsieger des ÖSV (insgesamt 16 Erfolge), sondern er hat auch den bisher letzten Tagessieg auf einer der vier Schanzen eingeflogen. Seit Oberstdorf 2016 sind Österreicher bei der Traditionsveranstaltung leer ausgegangen.

In Innsbruck, dem Schauplatz der Großschanzen-Bewerbe der Heim-WM 2019, liegt ein ÖSV-Erfolg im Jänner sogar schon sechs Jahre zurück. Damals gewann Gregor Schlierenzauer auf dem Weg zu seinem zweiten Gesamtsieg (2012/13). Bei der 67. Auflage fehlt der 28-Jährige, der sich entschlossen hat, seinen Sprung von Grund auf neu aufzubauen und für die aktuellen Erfordernisse zu adaptieren. Bis zur WM will der Gewinner von neun Tournee-Springen wieder seine Bestform erreichen.

Auch Felder hat das Highlight der Saison schon im Hinterkopf. Für die Stimmung in Richtung WM wäre ein gutes Tournee-Abschneiden wichtig, betonte der 56-Jährige.

Die Österreicher kommen wie im Vorjahr ohne Saisonerfolg zur Tournee. Einziger Mehrfachsieger ist Ryoyu Kobayashi (4), ganz oben auf dem Podest standen auch Jewgenij Klimow (RUS), Johann Andre Forfang (NOR) und Karl Geiger (GER). Die Polen von Cheftrainer Stefan Horngacher gingen bisher leer aus, stellen in Zyla (zuletzt vier Podestplätze, insgesamt fünf) und Kamil Stoch (drei Podestplätze) die Nummer zwei und drei des Weltcups.

Stoch kommt als Weltcupsieger, Olympiasieger und zweifacher Tourneesieger nach Oberstdorf. Dort hat er im Vorjahr den Grundstein zu seinem "Grand Slam" gelegt. Alle vier Bewerbe einer Auflage hatte vor ihm nur der Deutsche Sven Hannawald gewonnen. Diesmal könnte Stoch den einzigen Hattrick des Norwegers Björn Wirkola (1966/67 bis 1968/69), also drei Tourneesiege in Serie, egalisieren.




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