Shiffrin gewann Abfahrt bei ÖSV-Schlappe in Bansko

Mikaela Shiffrin hat ihre fast einmonatige Sieglos-Zeit mit dem zweiten Abfahrtssieg ihrer Karriere beendet. Die Gesamtweltcup-Führende aus den USA feierte am Freitag in der ersten von zwei Abfahrten in Bansko (Bulgarien) ihren 65. Weltcupsieg vor Riesentorlauf-Star Federica Brignone (+0,18 Sek.) und der Trainingsschnellsten Joana Hählen aus der Schweiz (0,23).

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US-Star Mikaela Shiffrin beendete ihre Durststrecke eindrucksvoll

Die Österreicherinnen verpassten in Abwesenheit der nicht fitten Nicole Schmidhofer das Podest erneut klar. Ramona Siebenhofer war als Neunte (+1,70) beste ÖSV-Läuferin. Anna Veith landete in ihrerersten Abfahrt seit über einen Jahr (Dezember 2018/Gröden) auf Rang 15 (2,25). Stephanie Venier wurde 17., Mirjam Puchner 19., Punkte holten noch Michaela Heider (21.) und Christine Scheyer (24.). Tamara Tippler und Nina Ortlieb mit Zwischenbestzeit schieden aus. Auch zuletzt in Altenmarkt-Zauchensee waren die ÖSV-Speedasse nicht über Rang neun (Venier) hinausgekommen.

Shiffrin siegte erstmals seit dem Slalom von Lienz am 29. Dezember. "Ich war heute sehr aggressiv", sagte die Langzeit-Dominatorin. Sie wollte aus dem Training viel gelernt haben. "Ich will nicht sagen, dass ich selbstbewusst war, aber ich hatte einen richtig guten Plan." Shiffrin traute ihrem Triumph, der sie bis auf zwei Siege an den Bestenlisten-Dritten Marcel Hirscher (67) heranbrachte, zunächst noch nicht recht. Denn mit Fortdauer des Rennens kam Sonne in den unteren Teil der Piste. Das Streckenprofil begünstigte zudem starke Technikerinnen, die noch kommen sollten.

Riesentorlauf-Spezialistinnen wie Brignone und Marta Bassino (5.) fuhren Topergebnisse ein. Die mit Shiffrin um die große Kugel kämpfende Petra Vlhova wurde für ihre Start-Entscheidung belohnt. In ihrer erst zweiten Weltcup-Abfahrt schaute für die Slowakin Rang sechs (1,03) heraus. Vor Abschluss der ersten Saisonhälfte am Samstag liegt die Technik-Spezialistin Vlhova (795) 280 Punkte hinter Shiffrin zurück (1.075).

Siebenhofer bezeichnete die Abfahrt im Anschluss als speziell. "Die Charakteristik eignet sich überhaupt nicht für eine Abfahrt. Es ist irgendwie hineingepflanzt." Auf die Frage, ob das Rennen einer Abfahrt würdig sei, antwortete Siebenhofer: "Ich finde nicht. Aber es soll sich jeder selbst ein Bild machen." Die Steirerin hatte im Ziel als zwischenzeitliche Dritte abgeschwungen und danach die Faust geballt. "Ich finde, wenn man da gut und gesund runterkommt, ist man schon ein kleiner Sieger. Es ist irrsinnig zäh zu fahren."

Eigentlich hatte Anna Veith einen Schlussstrich unter die Disziplin Abfahrt gezogen. Doch die spezielle Charakteristik der Marc-Girardelli-Strecke in Bansko veranlasste die Salzburgerin zum ersten Start in der Königsdisziplin seit über einem Jahr. "Ich hatte heute zum zweiten Mal seit drei Monaten einen Abfahrtsski an. Für das ist es ein extrem gutes Ergebnis", sagte Veith nach Rang 15 am Freitag. Veith ließ ihren Start für die zweite Abfahrt am Samstag offen. "Es hat viel Kraft gekostet. Ich will am Sonntag fit am Super-G-Start stehen. Wenn es geht, würde ich gern fahren, aber der Körper hat Vorrang."

Die teilweise sehr drehende Kurssetzung kam starken Technikerinnen entgegen, viele Riesentorlauf-Spezialistinnen fuhren hinter Siegerin Mikaela Shiffrin Top-Ergebnisse ein. Doch langsam gesteckt war der Kurs offenbar nicht. Veith will für ihr erstes Abfahrts-Antreten seit Dezember 2018 (Gröden) - "ein Kampf" - eine gehörige Portion Überwindung gebraucht haben. "Man muss sehr genau fahren, deswegen waren die Technikerinnen ganz vorne", sagte die an diesem Tag zweitbeste Österreicherin.

Elena Curtoni (Startnummer 23) nutzte als Vierte ebenfalls den Sonnenschein, Ortlieb nicht. Die 22-Jährige schied mit Zwischenbestzeit aus. "Total ärgerlich!", sagte Ortlieb. Sie wollte im extrem steilen Gelände zu viel Risiko genommen haben. "Das Positive ist: Wir haben morgen die nächste Chance und ich werde das Gute von heute mitnehmen."

Hählen untermauerte ihre besondere Freundschaft mit Bansko, dem auf einem Hochplateau liegenden Skigebiet von Eigentümer Marc Girardelli, nach dem auch die Strecke benannt ist. Die Schweizerin war in dieser Saison bisher nie besser als 16. (Altenmarkt-Zauchensee) gewesen und stand im 76. Weltcuprennen das erste Mal überhaupt auf dem Podest.

Die von einer Grippe geschwächte Schmidhofer hatte, wie bereits am Vortag zu vermuten, auf den Start verzichtet. Da außer der neuen Zweiten Shiffrin die Mitstreiterinnen um die Abfahrtskugel - die Führende Corinne Suter (14./243 Punkte), Ester Ledecka (20./193) oder Sofia Goggia (out) - keine großen Punkte holten, liegt die Disziplin-Titelverteidigerin aus der Steiermark nach vier von neun Rennen auf Rang vier (154).

Die Startzeit der für Samstag angesetzten Damen-Abfahrt in Bansko wird aus Fairness-Gründen um eine halbe Stunde nach hinten auf 10.15 Uhr MEZ verschoben. Das gab der Ski-Weltverband FIS Freitagmittag bekannt. Am Freitag hatten Starterinnen mit hohen Nummern von besseren Lichtverhältnissen profitiert.




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