Sportstätten

Rodelsport-Elite trainiert bereits in Königssee

Österreichs Olympia-Rodler sind zurück im Eiskanal. Die Schützlinge von Cheftrainer und ÖRV-Sportdirektor Markus Prock stecken derzeit in einem sechswöchigen Eistraining mitten in der finalen Phase der Saisonvorbereitung. Am 24. November ist bereits Weltcup Auftakt in Igls/Innsbruck.

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Wolfgang Kindl ist zweifacher Weltmeister

Nach dem in den vergangenen Monaten der Fokus auf das Athletik- und spezifische Starttraining, Sommerrodeln und neue Trainingsimpulse gelegt wurde, stehen ab sofort die rodeltechnischen Aspekte im Vordergrund, parallel dazu wird das Material optimiert.

Aus der Kategorie „Wussten Sie, dass?“: Königssee hat eine „verkehrte Fußbodenheizung“
Wie startet die Vereisung? „Man muss sich das System wie eine Fußbodenheizung vorstellen“, sagt Aschauer. „Nur, dass wir durch die Rohre, die in der Betonrinne verlaufen, keine Wärme, sondern Kälte schicken“. Zunächst wird damit begonnen, den Beton behutsam in einem Zeitfenster von rund 20 Stunden runter zu kühlen. Bei Sonnenbestrahlung im Sommer kann der Beton über 30 Grad heiß werden. Kritisch ist das Unterschreiten des Gefrierpunktes, da es dabei zu Rissbildungen im Beton kommen könnte – darum das langsame Kühlen. Die Kühlrohre laufen im Abstand von acht Zentimetern durch die Bahn, dabei kommen zirka 80.000 Meter zusammen. Am Tiefpunkt des Segments wird flüssiges Ammoniak – welches aufbereitet immer wieder verwendet werden kann– eingespritzt. Es besitzt einen sehr tiefen Siedepunkt von minus 33,34 Grad. Ammoniak, eine chemische Verbindung von Stickstoff und Wasserstoff, verdampft in den Rohren, entzieht ihrer Umgebung die Wärme und nimmt diese auf. Am Ende des Segments wird das erwärmte Element in gasförmigen Zustand durch ein größeres Rohr runtergezogen. Dort verdichten und verflüssigen es die Mitarbeiter wieder und schicken es zurück in die Kühlrohre. Das Ammoniak verbraucht sich dabei nicht, wird weder mehr noch weniger: „Wenn es sich im Kreislauf befindet, funktioniert es immer wieder. Wir haben unser Ammoniak seit 50 Jahren in der Anlage“, informiert Markus Aschauer. Trotz ihres Alters gehört sie nach wie vor zu den „modernsten“. Bahnbetreiber auf der ganzen Welt holen sich deshalb Ratschläge beim Königssee-Experten, einem gelernten Elektriker einer Technikerschule. Die Programmierung der computergesteuerten Anlage übernimmt eine Fachfirma aus Chieming, meist funktioniert das heutzutage mittels Fernwartung.


300 bis 400 Einspritz-Arbeitsgänge
Auf der Beton-Oberfläche bildet sich beim Runterkühlen schließlich von ganz allein Feuchtigkeit, friert, bildet Reif und „richtig schöne Eiskristalle“, sagt Aschauer. Nun kann der nächste Schritt erfolgen: „Da wir die Eiskristalle für den Kufensport nicht gebrauchen können, müssen wir sie einspritzen, damit kompaktes Eis entsteht“. Fürs Rodeln werden rund zwei Zentimeter benötigt, drei bis vier für die Bobs – je nach Stärke des Kurven-Anpressdrucks der Schlitten fällt die Dicke unterschiedlich aus. 300 bis 400 Einspritz-Arbeitsgänge sind erforderlich, um die gewünschte Eisdicke zu erhalten. Dabei helfen schon mal die Aktiven mit, heuer unter anderem die Skeleton-Kinder von Trainerin Anja Selbach sowie der Bob- und Rodel-Nachwuchs. „Das erfordert für zwei bis vier Gruppen jeweils fünf bis sechs Stunden Aufwand“, sagt Aschauer. Tagsüber spritzen die Bahnarbeiter und bauen sie aus.

Problematisch wirds erst ab 25 Grad
Letztlich ist der Eisaufbau nichts anderes, als „inkorrekt geformte Betonprofile von damals – sie ist schließlich schon recht alt – mit Schnee und Eis zu korrigieren“, so Aschauer. Aus der langen „Geraden“, die früher ganz flach war, wird durch eine künstlich erzeugte Schrägneigung fast schon eine Art Steilkurve – die höheren Geschwindigkeiten der Piloten heutzutage erfordern diese Maßnahmen. Der aufgebrachte Schnee friert in der Schattenlage am Königssee relativ zügig durch, schließlich kommen die Helfer zum Durchspritzen oder es regnet darauf. Kompaktes Eis entsteht, eine raue Oberfläche, die so präpariert und „modelliert“, also abgehobelt und geschliffen wird, dass es für die Sportler passt. Sie geben am Ende und letztlich über die ganze Saison Rückmeldungen an die Bahnarbeiter, wo nachgebessert werden muss, da das Eis durch unterschiedliche Außentemperaturen freilich „arbeitet“ und sich immer wieder verändert. Das Abhobeln für eine glatte Oberfläche geschieht in den Kurven manuell per Hand, und auf der langen Geraden mit einem Schmalspurtraktor samt Eishobel. Während der Saison muss meist nur modert weitergekühlt werden, wenn sich die Temperaturen in die Plusgrade bewegen. Somit beschränkt sich der größte Energieaufwand auf die Vereisung im Oktober. „Problematisch wirds erst ab 25 Grad und starkem Föhn – warmer Wind setzt der Eisoberfläche dann irgendwann schon gewaltig zu“, informiert Aschauer.

„Bahn frei“ und IBSF Europacup Bob in Altenberg
Am 17.10.2018 hieß es um 10:00 Uhr an der Rennschlitten- und Bobbahn Altenberg „die Bahn ist frei“. Das heißt ein Sportler konnte die frisch vereiste Bahn im Kohlgrund mit einer Fahrt ab dem Kreisel einweihen und damit die Wintersaison 2018/2019 offiziell eröffnen.Die Eisarbeiter, unter der Leitung des Eismeisters Ralf Mende vereisen derweil den oberen Bahnbereich weiter, damit in den kommenden Tagen die kompletten 1.413 Meter zur Verfügung stehen. Schwierigkeiten bei der Vereisung macht den Kollegen das fehlende Wasser, da die Brunnen auf Grund der Trockenheit nicht genügend liefern.

Mit dem Europacup der Bobfahrer kommt vor Weihnachten ein Teil der internationalen Spitze des Bobsports nach Altenberg. Die Gewinner von heute, werden auch die Sieger von morgen sein. Nach dem täglichen Training werden die Rennen im 2er und 4er Bob auf der anspruchsvollen sächsischen Bahn gefahren. Die MySportMyStory-Redaktion wünscht schon jetzt allen Helden viel Erfolg. Mit dabei aus der MySportMYStory-Family sind natürlich Wolfgang Kindl, das Bob Team Geiger und natürlich ÖSRV-Sportdirektor Markus Prock.

Zeitplan in Altenberg:
Donnerstag, 06.12.2018 von 9.00 bis 12.30 Uhr - 1. Wettbewerb im Zweierbob der Männer - 1. und 2. Rennlauf

Freitag, 07.12.2018 von 9.00 bis 12.30 Uhr - Wettbewerb im Zweierbob der Frauen - 1. und 2. Rennlauf, 2. Wettbewerb im Zweierbob der Männer - 1. und 2. Rennlauf, danach Auslosung 4er Bob - Panoramabaude

Samstag, 08.12.2018 von 9.00 bis 12.00 Uhr - Wettbewerb im Viererbob der Männer/Frauen - 1. und 2. Rennlauf

Zeitplan in Innsbruck/Igls:
Der 1. Viessmann Rennrodel-Weltcup und der BMW Sprint-Weltcup finden am 24. und 25.11.2018 in Innsbruck-Igls statt.

Samstag, 24.11.2018:
09.50 Uhr     1. Rennlauf Damen
11.15 Uhr     2. Rennlauf Damen

12.40 Uhr     1. Rennlauf Doppel
14.00 Uhr     2. Rennlauf Doppel

Sonntag, 25.11.2018:
10.15 Uhr     1. Rennlauf Herren
11.50 Uhr     2. Rennlauf Herren

13.30 Uhr     Sprint Damen
14.05 Uhr     Sprint Doppel
14.50 Uhr     Sprint Herren

Mehr Informationen gibt es unter diesem Link

Und zum Schluss noch ein weiterer Input aus der Kategorie „Wussten Sie, dass?“
Erstmals werden bei den Siegerehrungen der Olympischen Spiele und Paralympics 2020 in Tokio Medaillen aus recycelten Metall vergeben. Dies teilte das Organisationskomitee kürzlich via einer Presseaussendung mit. Für diese Recycling-Plaketten aus Gold, Silber und Bronze wurden nach einem landesweiten Aufruf nicht mehr genutzte elektronische Geräte wie Smartphones, digitale Kameras oder Laptops gesammelt. Aus dieser Ansammlung von Elektronikgeräten konnten 2.700 Kilogramm Bronze, 1.800 Kilogramm Silber und 16,5 Kilogramm Gold für die Medaillen-Produktion gewonnen werden.

Wolfgang Kindl ist zweifacher Weltmeister
Wolfgang Kindl ist zweifacher Weltmeister



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