Raikkönen F1-Sieger in Austin, WM-Entscheidung vertagt

Ferrari hat seit langem in einem Formel-1-Rennen alles richtig gemacht und in Austin die vorzeitige WM-Entscheidung zugunsten des Mercedes-Rivalen Lewis Hamilton verhindert. Der Brite musste sich am Sonntag trotz Pole Position im Grand Prix der USA mit Platz drei hinter Jubiläums-Sieger Kimi Raikkönen und Max Verstappen (Red Bull) begnügen, das reichte nicht zum vorzeitigen fünften Titelgewinn.

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Raikkönen sorgt für Vertagung der WM-Entscheidung

Denn Hamiltons Titelrivale Sebastian Vettel kam im Finish noch auf Platz vier, obwohl er nach einer Strafe nur als Fünfter gestartet und nach einer frühen Kollision mit dem Red Bull von Daniel Riccardo sogar auf Platz 14 zurückgefallen war. In einem vor allem in den letzten 15 Runden enorm spannenden Rennen entschied letztlich auch die Reifentaktik der Teams über Sieg und Niederlage. Hamilton hätte acht Punkte mehr machen müssen als Vettel, schaffte aber nur drei. Er liegt nach 18 Rennen mit 346:276 voran und damit 70 Zählern in Front, 75 hätte er benötigt. Den nächsten Matchball bekommt er schon kommenden Sonntag in Mexiko, wo ihm bereits ein siebenter Platz für den Titel reichen würde, sofern Vettel gewinnen sollte.

Nach Serien-Fehlern in den vergangenen Monaten zeigte sich Ferrari zumindest im Strategie-Poker des US-Rennens erstmals seit langem wieder beinahe fehlerfrei. Räikkönen düpierte dank der weicheren und schnelleren Reifen Pole-Mann Hamilton am Start, fuhr vorne weg und lockte den Engländer dann mit einem angedeuteten Boxenstopp in eine Falle. Hamilton wechselte früh die Reifen, fuhr sich diese beim Überrunden aber wieder kaputt und musste als einziger Fahrer aus den Top Ten später ein zweites Mal an die Box, um frischen Gummi zu holen. Das warf den 33-Jährigen am Ende entscheidend zurück.

Der Ferrari-Plan, mit der Blitzattacke Raikkönens auch Vettel nach vorne zu bringen, ging wegen des Drehers des Deutschen aber auch nicht auf. Vettel kämpfte sich zwar zurück, hätte im Finish aber dennoch noch fast alles vorzeitig verloren: Vorne tobte der Dreikampf zwischen Raikkönen, dem nur von Platz 18 gestarteten Verstappen und Hamilton. Als der fünffache Austin-Sieger im Mercedes in der Schlussrunde den Red Bull attackierte und für Sekunden die Nase vorne hatte, war Hamilton auch tatsächlich für Bruchteile vorzeitig Weltmeister, weil Vettel zu diesem Zeitpunkt noch Fünfter war. Hamilton bezahlte seine Angriffslust aber mit einem Rutscher, gleich danach überholte Vettel dessen Teamkollegen Valtteri Bottas. Damit war die WM-Entscheidung endgültig vertagt, Hamilton bleibt vorerst vierfacher Weltmeister.

"Gratulation an Kimi. Er hat keinen Fehler gemacht und das super hinbekommen", gratulierte Hamilton und gab sich trotz allem gelassen. "Mein Fenster beim zweiten Stopp war einfach zu klein", erklärte der Brite. Bei Ferrari dominierte der Jubel zumindest nur beim Team. Raikkönen bekam in dem Moment, als Vettel wegen seines Fehlers offenbar nicht mehr gewinnen konnte, freie Bahn. "Du kannst fahren. Er weiß es", funkte man dem ungläubigen Finnen ins Auto. Der holte nach 113 Rennen wieder einen Sieg, das ist Rekord in der Formel 1. Zuletzt hatte Raikkönen 2013 in Australien in einem Lotus gewonnen.

Obwohl er nun weiterhin noch eine rechnerische Minimalchance hat, gab sich Vettel nach dem Rennen betrübt. "Natürlich muss das nicht sein", kommentierte er sein Wheelbanging mit Ricciardo, der bald danach mit einem Batteriedefekt ausfiel. "Heute hätten wir mehr Kapital aus den Schwächen der Mercedes schlagen können", machte Vettel klar, dass er gewinnen hätte wollen. Das Aufschieben der WM-Entscheidung spornte ihn zunächst nicht an. "Es überwiegt die Enttäuschung für heute."

Auch bei Mercedes hielt sich die Stimmung in Grenzen. Ein Rücktausch der Wasserpumpen im letzten Moment hatte vor dem Start Stress gemacht, dann ging auch das Rennen ziemlich daneben. "Unser Auto war heute einfach nicht schnell genug. Wir dachten, die zwei Stopps sind eine Variante, die uns hilft", sagte Teamchef Toto Wolff. "Wir lassen uns durch die Situation aber nicht stressen", meinte der Wiener.

Cool blieb wie immer Raikkönen. Der seit dieser Woche 39-jährige Finne hätte eigentlich nur seinem Noch-Teamkollegen Vettel helfen sollen, fand sich am Ende aber erstmals seit mehr als fünfeinhalb Jahren wieder ganz oben auf dem Siegespodest eines Formel-1-Rennens wieder. Es war der 21. Sieg für Raikkönen, der nächstes Jahr im Sauber fährt. "Endlich, verdammt", kommentierte der letzte Ferrari-Weltmeister (2007) seinen ersten Sieg seit der Rückkehr zur Scuderia.




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