Mit Rene Binder startet nach 50 Jahren wieder ein Österreicher im IndyCar

Die Liste bedeutender Motorsportler, die sich hinters Steuer eines IndyCars wagten, ist lang. Als letzter Österreicher startete Jochen Rindt 1968 in der höchsten amerikanischen Formelserie. Nun wagt der 26-jährige Rene Binder den sprichwörtlichen Sprung „ins kalte Wasser“ und stellt sich Weltklassefahrern wie Scott Dixon, Josef Newgarden oder Sebastian Bourdais. 

Wie der Tiroler betont, bedeutet es für ihn auch eine besondere Ehre, Österreichs Farben in den USA vertreten zu dürfen. In einer ersten Botschaft an die amerikanischen Fans erweist sich Rene Binder ebenso als Patriot wie stolzer Vertreter seiner Familie. „Ich bin der Rene Binder aus Österreich, der erfolgreichsten Skination und wenn man an unsere ehemaligen Formel 1 Weltmeister, Jochen Rindt und Niki Lauda, denkt, sollte man uns eigentlich auch als erfolgreiche Motorsportnation kennen“, lautet Binders Tenor, „mein Onkel, Hans Binder, hat sein Grand Prix Debüt im legendären 1976er Jahr gefeiert und auch mein Großvater und mein Vater waren erfolgreich im Rennsport unterwegs.“ Dass er selbst Benzin im Blut hat, beweist ein Blick auf seine frühe Entwicklung im Motorsport. „Ich habe mit 8 Jahren das Kartfahren entdeckt und später Platz 2 in der hart umkämpften Juniorenklasse der Deutschen Kartmeisterschaft erreicht“, blickt Binder zurück, „und ich habe auch ein paar Rennen in der Formel 3 gewonnen“. Seine Familie förderte seinen sportlichen Ehrgeiz, legte aber mindestens ebenso großen Wert auf seine schulische Bildung, weil auch im Familienunternehmen anspruchsvolle Aufgaben auf ihn warten.
Vor dem Einstieg in den Familienbetrieb, ein führendes Unternehmen in der Holzverarbeitung, steht allerdings noch die Herausforderung der IndyCar-Serie. Eine Entscheidung, die für viele aus dem Umfeld Binders überraschend kam, standen doch zuletzt die Weichen scheinbar in Richtung Formel 1. „Ich hatte zwei ziemlich gute Jahre in der World Series und daher zwei Optionen: Noch einmal in der Formel 2, der offiziellen Nachwuchsserie der Formel 1, anzutreten, oder ‚all-in‘ auf einen absoluten Neustart in den USA zu setzen“, plaudert der IndyCar-Rookie aus dem Nähkästchen, „ich bin ziemlich zuversichtlich, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.“ Ein großes Dankeschön richtet Rene Binder an Ricardo Juncos und sein Team, Juncos Racing, für die großartige Möglichkeit, völlig neue Erfahrungen zu sammeln. 
Eine Chance, die sich der junge Pilot hart erarbeitete. 2017 feierte Binder eine Reihe herausragender Erfolge, darunter vier Siege und auch den historisch wichtigen letzten Sieg in der World Series Formula V8. Trotz der Faszination IndyCar kehrt Binder allerdings den europäischen Rennstrecken nicht völlig den Rücken zu. „Im Moment haben wir für St. Petersburg, Barber Motorsport Park, Toronto und Mid-Ohio unterschrieben, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass da noch ein, zwei Grand Prix‘ dazukommen werden“, erklärt der Vollblutrennfahrer, dessen vollständiges Programm für die Rennsaison 2018 derzeit noch fixiert wird „neben meinem IndyCar-Projekt haben wir auch die 24 Stunden von Le Mans im Visier.“ 
Die Entscheidung Rene Binders, sich dem Abenteuer IndyCar zu stellen, wurde durch die Eindrücke beim Saisonfinale 2017 in Sonoma deutlich beeinflusst. „Ich bin IndyCar-Fan aus einem reinen Racing-Aspekt heraus“, beschreibt der Trioler, „der enge Wettbewerb, die traditionellen Rennstrecken mit Bodenwellen und limitierten Auslaufzonen, aber auch die anspruchsvollen Autos ohne Servolenkung machen das ganze sehr speziell.“ Das Fahrzeug selbst, ein Chevrolet Dallara V6, dürfte dem Neueinsteiger nur geringe Probleme bereiten. „Ich bin in den letzten acht Jahren Dallara-Rennwagen gefahren und deshalb ziemlich zuversichtlich, dass ich einen guten Job abliefern kann, sobald ich die Strecken gelernt hab“, verweist Binder auf seine guten Voraussetzungen, „ich hoffe, ich kann vor jedem Rennen auch ein paar Stunden im Simulator verbringen.“ 
Der Zeitpunkt, in dieser Saison ins Geschehen der IndyCar-Serie einzusteigen scheint gut gewählt. Die Regeländerungen zwingen auch etablierte Teams zur Neuorientierung, vier neue Teams werden das Feld der 24 Konkurrenten bereichern. Darunter auch jenes von Juncos Racing. Die Optik der neuen IndyCars gleicht den legendären Formel 1 Autos der Turbo-Ära der späten 1980er Jahre, auch die Motoren klingen ein wenig wie die alten Formel 1 Turbos. „Die Fahrer sagen durchwegs, dass das Handling komplett anders ist, dass wird die Sache natürlich wieder etwas durchmischen und spannender machen“, zitiert Rene Binder die Kommentare erfahrener Indy-Piloten, „vielleicht ist es der beste Moment für einen Rookie und für ein neues Team, aber dafür müssen wir den neuen Aero Kit natürlich gleich von Beginn an verstehen lernen.“



teilen
0