Märchenhafter Abschied von Aksel Lund Svindal

Am Ende durfte Aksel Lund Svindal auch noch auf das oberste Podest steigen. Kjetil Jansrud, nur mit 2/100 Sekunden Vorsprung WM-Goldmedaillengewinner in der Abfahrt von Aare vor seinem Landsmann und Freund, bat den Neo-Sportpensionisten zu sich. Der haderte keinen Moment mit dem verpassten sechsten Gold, sondern genoss einfach den Moment, denn der käme nie wieder. "Es war eine großartige Show."

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Altmeister Svindal knapp geschlagen aber ohne Groll zum Abschied

Bei den Olympischen Spielen vor einem Jahr hatte der Norweger Svindal seine Karriere mit Abfahrts-Gold gekrönt und Jansrud auf den Silberrang verwiesen. Im letzten Rennen seiner Karriere überließ der je zweifache Olympiasieger und Gesamtweltcupsieger Kollegen Jansrud gern den Vortritt. "Ich brauche mich auch nicht schlecht fühlen, dass ich aufhöre. Kjetil hat gewonnen, mit Aleksander haben wir einen weiteren Weltklassefahrer und Adrian als Bonus", sagte er über Aleksander Aamodt Kilde (8.) und Adrian Smiseth Sejersted (14.).

Der 36-jährige Svindal erklärte, dass er dieses Rennen unbedingt an diesem Tag fahren wollte. "Es war ein enges Rennen, aber es war ein großartiges Rennen. Ich habe seit Wochen auf diesen Moment gewartet, ich war nervös, aber bereit. Ich wollte nicht noch länger warten. Ich wollte alles geben, das ich habe." Die Bedingungen seien herausfordernd gewesen, aber es sei ihm gelungen fokussiert zu bleiben. "Ich wusste: Es ist meine letzte Chance, es gibt keine nächste."

Seine Karriere sei eine lange Reise gewesen, eine großartige. "Es fühlt sich jetzt irgendwie auch nicht fremd an, hier zu sitzen, und die letzte Pressekonferenz zu geben. Ich bin glücklich und dankbar. Ich bedauere nichts. Ich muss nicht aufhören, aber mit allen Faktoren denke ich, dass es eine gute Wahl ist. Alles hat seine Zeit." Sein Knie sei ausreichend gut beinander für das, was er in der Zukunft noch vorhabe, aber nicht mehr für einen Abfahrer.

Jansrud gewann seine erste Goldmedaille bei Weltmeisterschaften, und das nachdem es am 22. Jänner noch geheißen hatte, die beim Kitzbühel-Training gebrochenen Mittelhandknochen würden eine sechswöchige Pause zur Folge haben. "Niemand hätte mir einen größeren Druck auferlegen können, als ich es getan habe. Die Verletzung hat meinen Willen beeinflusst. Ich habe den Fokus bekommen, dass ich es schaffen kann." Im Super-G habe nichts funktioniert, jetzt so zurückzuschlagen, habe alles wieder in Harmonie gebracht. Sich Weltmeister nennen zu dürfen, sei eine Ehre. Ganz speziell machten den Tag für ihn mehrere Dinge. Zum einen, dass er nach dem Abschwingen im Ziel das grüne Licht in der Abfahrt aufleuchten sah, das habe er lange nicht mehr erlebt. Zudem die Atmosphäre mit den vielen schwedischen und norwegischen Fans, für ihn sei es ein Heimrennen.

Und natürlich, weil Aksel neben ihm auf dem Podium stand. "Das ist perfekt für mich, auch weil ich 2/100 voraus war", meinte der 33-Jährige lachend. "Es ist immer eine Ehre, mit Aksel auf dem Podium zu stehen. Ich bin dankbar, dass wir so viele Stunden miteinander verbracht und trainiert haben. Und in seinem letzten Rennen gemeinsam am Stockerl zu stehen, das ist wie im Märchen."

Wer sage schon etwas Schlechtes, wenn jemand aufhöre, meinte Svindal angesprochen auf die viele schöne Worte seiner langjährigen Kontrahenten. "Es ist sehr emotional, wir werden ihn vermissen, er wird ein Loch im Team hinterlassen. Aber andererseits freue ich mich für ihn. Viele Athleten können sich wegen einer Verletzung nicht aussuchen, wann sie aufhören. Er hat den Moment entschieden", sagte Jansrud.

Es werde sich aber sehr komisch anfühlen, wenn Aksel bei der Vorbereitung im Sommer und der Herumreiserei nicht mehr mit dabei sein wird. "Jetzt bin ich der Älteste, der die kleinen Kinder im Team allein kontrolliert", meinte er. Und über die sentimentale Stimmung, die aufkam, als Svindal den Raum verlassen hatte, und die bei den Fragen mitschwang: "Das hier ist eine Feier, es ist keine Beerdigung."




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