Was macht eigentlich

Happy Birthday Skilegende Karl Schranz

Mit zunehmendem Alter verschieben sich die Wertigkeiten. Karl Schranz war Ski-Weltmeister und Weltcupsieger und hat in seiner 17-jährigen Karriere rund 150 Siege gefeiert. Doch vor seinem 80. Geburtstag am Sonntag nannte er nicht Erfolge oder den triumphalen Empfang nach der Olympia-Disqualifikation 1972 als Höhepunkt. "Das Wichtigste war, dass ich mir nie wehgetan habe", sagte Schranz der APA.

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Karl Schranz feiert bei guter Gesundheit 80. Geburtstag

Den runden Geburtstag feiert der Arlberger, der nach der Karriere in seinem Heimatort St. Anton als Hotelier und Skischulleiter tätig war, auf einem von der Gemeinde ausgerichteten Fest. Der größte Wunsch der Skilegende geht denn auch in Richtung Gesundheit. Für seine Familie und sich selbst.

Künstliche Gelenke an Knie oder Hüfte sind bei älteren Menschen fast schon normal, der frühere Extremskiläufer Schranz kam hingegen ohne Eingriff davon. "Ich bin gut beisammen, ich muss gute Gene haben", sagte er. "Ich habe aber auch keine argen Stürze gehabt." Obwohl damals Streckenbeschaffenheit und Sicherheitseinrichtungen vom heutigen Standard weit entfernt waren.

"Die Pisten waren nur bei den Rennen gut präpariert und Sicherheitsnetze hat es überhaupt nicht gegeben", erzählte Schranz. "Nur in Wengen am Hundsschopf war eines, aber das hat ein Loch von einem Meter gehabt, da wäre man durchgepfiffen." Auf dem Lauberhorn hat er ebenso wie in Kitzbühel vier Abfahrtssiege gefeiert, der Bogen seiner Erfolge spannt sich von 1957 bis 1972. Die meisten gelangen dem "einsamen Wolf vom Arlberg" aber vor der Einführung des Weltcups 1967, daher scheint er in dessen Statistiken nicht vorne auf. Als Jugendlicher musste der am 18. November 1938 geborene Schranz viele Entbehrungen und Schicksalsschläge hinnehmen. Als er acht Jahre alt war, brannte das Elternhaus ab, sein Vater starb früh - das hat den Arlberger geprägt.

Schranz kam in jungen Jahren ins Nationalteam und erkämpfte sich seine Position als "Nachfolger" des dreifachen Olympiasiegers Toni Sailer mit unbändigem Siegeswillen. Er war hart zu sich selbst, trainierte mehr als die anderen, scheute keine Konfrontation und ging oft "mit dem Kopf durch die Wand".

Er sorgte aber immer wieder auch für neue Impulse in seinem Sport. Der starke Abfahrer und Riesentorläufer nützte als einer der ersten den Windkanal, fiel ab 1966 mit einem einteiligen Rennanzug auf und beschleunigte auf den letzten Metern vor dem Ziel mit seiner "Schranz-Hocke". Der Ehrenbürger St. Antons feierte zwei Gesamtsiege im Weltcup (1969 und 1970), zudem war er dreimal Weltmeister (1962 zweimal und 1970).

Untrennbar mit dem Namen Schranz ist aber auch dessen vergebliche Jagd nach Olympia-Gold verbunden. Zweimal hatte man ihm die Chance darauf genommen, doch er hat seinen Frieden mit den Fünf Ringen geschlossen. Bei den Winterspielen in Innsbruck 1964 holte er Silber im Riesentorlauf, vier Jahre später stand er in Grenoble kurze Zeit sogar als Slalom-Olympiasieger fest. Schranz hatte wegen einer Behinderung den zweiten Lauf nochmals absolvieren dürfen, markierte Gesamt-Bestzeit, wurde aber nachträglich doch disqualifiziert. Gold erhielt stattdessen der Franzose Jean-Claude Killy.

Dann kam Olympia 1972 in Sapporo, das in der Biografie des Arlbergers einen besonderen Platz einnimmt. Schranz reiste als Abfahrts-Favorit nach Japan, wurde aber kurz vor dem Rennen wegen des sogenannten "Amateur-Paragraphen" von den Spielen ausgeschlossen. In Österreich kochte wegen des Unrechts gegen den Skistar die Volksseele über - IOC-Chef Avery Brundage hatte Schranz als "den Schlimmsten" stellvertretend für alle anderen Alpin-Rennläufer bestraft - bei der Rückkehr bereiteten ihm mehr als 100.000 Menschen einen triumphalen Empfang in Wien, wo er vom Balkon des Kanzleramtes winkte. "Das Ausschluss tut heute nicht mehr weh, aber es war eine Ungerechtigkeit", sagte Schranz im Rückblick.




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