Was macht eigentlich

Gregor Bloéb und die Rallye Dakar

Wie ein Schauspieler die härteste Rallye der Welt bezwungen hat. Er ist ein „wilder Hund“ und hat den Spaß am „Gatsch-hupfn“ schon früh für sich entdeckt. Schauspieler Gregor Bloéb im exklusiven Interview mit MySportMyStory.

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online seit 28.01.2019, 16:58 Uhr

Pia: Das Projekt MySportMyStory beschäftigt sich mit den vielseitigen Geschichten unterschiedlicher Sportler. Du selbst hast ja mittlerweile mehrfach an Rallye-Bewerben als Fahrer teilgenommen, erzähl uns bitte davon.
Gregor: Sport hat im Allgemeinen in meinem Leben immer eine große Rolle gespielt. Insbesondere galt mein Interesse aber schon früh dem Motorsport. Ursprünglich begann das alles mit meinen drei Brüdern ganz klassisch beim Straßensport. Später haben wir dann mit dem "Gatsch-hupfn" begonnen und das Enduro-Fahren für uns entdeckt. In diesem Zusammenhang haben wir die Kinis, die ganze großartige Familie, kennengelernt. Wenn ich jetzt von „wir“ rede, dann weil ich bei Rallye natürlich immer an die Paris Dakar denke, die ich zusammen mit meinem Bruder Tobias (Anmerkung: Moretti) absolvierte. So hat das eigentlich alles begonnen. Seit ich denken kann, liebe ich es gemeinsam mit meinen Brüdern, Abenteuer zu bestreiten. Daher war es unser großes Ziel, eine Weltreise zu machen. Jetzt ist die Welt immer depperter geworden und es ist kaum mehr möglich, irgendwo hinzufahren. So entstand schlussendlich die Idee, mit Paris Dakar unseren Jugendtraum zu verwirklichen! Nach und nach wurde der Gedanke daran immer konkreter und wir dachten uns: Sponsoren hin oder her, wir machen das jetzt einfach. Punkt. Dann ist alles andere, wie so oft im Leben, von allein gekommen (Gregor schmunzelnd in die Kamera: Ein guter Tip für die jungen Kollegen: Einfach machen!).

Pia: Wenn Du jetzt beispielsweise im Theater ein schwieriges Stück probst und es Dir einfach nicht so gelingen will, wie Du es gerne möchtest. Was setzt Du deinem inneren Zweifel dann entgegen?
Gregor: Ich kämpfe mit sehr viel Hass... (kichert)! Nein! Ehrlich gesagt, ist das immer unterschiedlich: Manchmal muss man versuchen, locker zu lassen und in anderen Situationen muss man ganz einfach fleißiger sein. Unter Lebenserfahrung verstehe ich, zu wissen, wann man wie reagieren muss.

Pia: Oder zumindest zu merken, wenn man die falsche Richtung einschlägt. Wenn man merkt, dass man fleißig trainiert und trotzdem geht sprichwörtlich nichts weiter, probiert man es auf eine andere Art und Weise.
Gregor: Ja. Aber diese Coolness muss man sich erst aneignen. Der Ehrgeiz des Sportlers ist oft auch sein Handicap.

Pia: ... aber ohne Ehrgeiz, kommt der Sportler auch nicht an sein Ziel, oder?
Gregor: Wenn es eines gibt, das mir mein Freund und Konditionstrainer Gerhard Ausserlechner gelehrt hat, dann dass es wichtig ist, Pausen zu machen, weniger zu trainieren und Spaß zu haben. Man darf die Freude am Sport nicht verlieren.

Pia: Einen Boxer zu spielen versus ein Sportler zu sein. Du hast beides erlebt, worin liegt der grundlegende Unterschied?
Gregor: Der grundlegende Unterschied liegt nicht in der Vorbereitung, sondern in der Konsequenz. Der Sport ist lebensgefährlich! Solange ich spiele, kann mir nichts passieren, es ist nicht lebensgefährlich. Wenn du die Rallye wirklich fährst, springst du dem Teufel jeden Tag einmal von der Schaufel, das muss dir klar sein. Manchmal ist es Glück, manchmal Können und manchmal Schicksal.

Pia: An welchen Moment der Rallye Dakar erinnerst Du dich am liebsten, an welchen am öftesten?
Gregor: In Bezug auf die Rallye Dakar gibt es hunderte, tausende Eindrücke und Geschichten, die ich erzählen könnte. In punkto Schönheit gab es in Mauretanien einen Moment, an den ich mich gerne zurückerinnere: Wir kamen nach einer 200 Kilometer langen Fahrt durch die Wüste hinunter in ein Tal mit riesigen grünen Palmen, in dem alles blühte. Ein Tuareg oder König in einem blauen Gewand ritt auf einem Kamel an uns vorbei. Es war aber keine Erscheinung, weil Tobias es auch gesehen hat (lacht). Unbeschreibliche Erinnerungen! Aber auch Nächte, in denen es eisige minus 4 Grad im Zelt hatte und das Wasser in meiner Trinkflasche fror, bleiben mir im Gedächtnis. Trotzdem setzt du dich am nächsten Tag um drei Uhr morgens aufs Motorrad und fährst um dein Leben. Man befindet sich in einem Rauschzustand, ausgelöst durch Erlebnisse und Extremsituationen, die dich prägen!

Pia: Das heißt, Du würdest es wieder tun?
Gregor: Nein (lacht laut)! Das ist letztendlich der Unterscheid: Ich bin kein Berufssportler. Ich habe nicht den Ehrgeiz zu gewinnen. Im Gegenteil, Erster zu werden ist mir blunzen. Mir geht es in erster Linie um das „Spiel“, deswegen auch Schau-Spieler. Ich nehme das „Spiel“ ernst, ich bereite mich darauf vor, aber es geht mir nicht um die Platzierung. Das ist der Unterschied zwischen einem Spitzensportler und einem Kasperl.

Pia: MySportMyStory wird die neue, mediale Präsentationsplattform für junge Sportler. Warum gefällt Dir dieses Projekt?
Gregor: Egal in welchem Bereich, die Obersten der Oberen verdienen das Geld. Das sind: der Weltmeister, der Vize-Weltmeister und der Dritte. Platz vier bis zehn verdienen nichts und der Zwölfte im Feld zahlt dafür, dass er seine Leidenschaft ausüben darf. Das erschwert die Entwicklung eines jungen Menschen, eines jungen Sportlers ungemein, daher finde ich Plattformen wie MySportMyStory ausgesprochen wichtig. Es gibt so viele großartige, vielfältige, tolle und leidenschaftliche Sportarten, die durch MySportMyStory zukünftig die Chance auf einen Platz im Rampenlicht bekommen könnten und hoffentlich auch werden.

Pia: Welchen Tipp würdest Du einem jungen Sportler für sein erstes Mal vor der Kamera mitgeben?
Gregor: Es gibt immer zwei Möglichkeiten an neue Situationen heranzugehen: Entweder man ist top-vorbereitet oder man scheißt sich nix und improvisiert! Beides kann in die Hose gehen, aber der Mittelweg geht mit Sicherheit immer schief!

Pia: Warst Du in Deinem ersten Mal vor laufender Kamera nervös?
Gregor: (Überlegt kurz, dann etwas zögerlich) Ja sicher. Sicher. Natürlich ist man angespannt, aber grundsätzlich hat man ja meist die Möglich- keit sich vorzubereiten. Wieder genau dasselbe: Entweder vorbereitet oder du improvisierst. Erfahrung ist in diesem Fall alles.

Pia: Worin siehst Du den größten Vorteil von My SportMyStory für junge Sportler?
'Gregor: Der Vorteil von MySportMyStory ist, dass es eine große Plattform ist. Sind wir mehrere ist es einfacher. Es findet ein Austausch statt und es gibt verschiedene Meinungen. Austausch ist immer etwas Gutes und etwas Gesundes. Ja man könnte fast sagen, es ist wie ein „Begleitservice“ (lacht)! Das ist doch etwas Schönes, wenn einen jemand begleitet, wenn man eine Art Trainer oder besser gesagt „Mentor“ hat, der einen beobachtet und dem man vertrauen kann. Man entwickelt sich ständig, sei es im Leben oder im Sport. Man macht einen nächsten Schritt und ist verunsichert. Genau dann ist es fein, wenn man jemanden hat, der einem sagt: Das passt, das geht sich aus! Für mich war so jemand Heinz Kinigadner, mein Teamchef und Trainer in der Vorbereitung für die Rallye Dakar. Ich weiß noch, da war ein irrsinnig steiler Hang und ich habe mir nur gedacht (O-Ton): Des krieg ich nie zammen, des kann nit funktionieren. Da haut’s mich jetzt sicher zehnmal auf die Goschn und es wird wahnsinnig wehtun. Und Heinz sagt nur: Nein, das geht. Nichts Scheißen und mit Vollgas im dritten Gang. Und ich habe mir gedacht: Okay! Okay! Und dann fährst du auch nicht mit dem zweiten Gang oder halbherzig mit dem vierten Gang, sondern im Vollgas mit dem dritten Gang! Und es gelingt, es geht sich aus, Du schaffst es. Du brauchst einfach Menschen, die ein bisschen mehr Erfahrung haben und auch Freude daran haben, sie zu teilen. Der Heinz Kinigadner ist so einer, der seine Erfahrungen gerne teilt. Darum geht’s: Send the elevator back! Das ist die Aufgabe: Wenn du ganz oben bist, musst du runter, um die nächsten mit rauf zu nehmen. Man muss Menschen mitnehmen, im wahrsten Sinne des Wortes. Das soll auch mit MySportMyStory, eurem Forum, gelingen!

Das Interview führte MySportMyStory-Geschäftsführerin Pia Schorer.




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