Biathlon-Neotrainer Groß: "Verlorenes Potenzial" ausschöpfen

Das Potenzial seiner Topleute Dominik Landertinger, Simon Eder und Julian Eberhard voll ausschöpfen und den Nachwuchs stärken. So umreißt Österreichs neuer Biathlon-Herrencheftrainer Ricco Groß vor Beginn der WM-Saison seine Ziele. Der Deutsche übernahm das Amt nach drei Jahren bei den russischen Herren von Reinhard Gösweiner, unter dem es im vergangenen Winter nicht mehr nach Wunsch gelaufen war.

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Groß (m.) mit Markus Gandler (l.) und Hans Pum (r.)

"Die Mannschaft hat in den letzten Jahren von ihrem Potenzial ein bisschen was verloren. Deshalb haben wir schon ein paar Sachen verändert. Wir haben gut trainiert, zielstrebig trainiert und wollen natürlich gut performen", sagte Groß wenige Tage vor dem Weltcupauftakt in Pokljuka. Der 48-Jährige möchte freilich auch bei der WM im März in Östersund anschreiben. "Da wollen wir natürlich nicht als Touristen hinfahren", betonte Groß im Gespräch mit der APA.

Außerdem gelte es, den in der Vorsaison verlorenen sechsten Weltcup-Startplatz zurückzuholen. Im vergangenen Winter hatte das ÖSV-Team mit dem Massenstartsieg von Eberhard gegen Saisonende in Kontiolahti nur einen Einzelpodestplatz geschafft. Die Olympiabronzemedaille von Landertinger im Einzel polierte diese bescheidene Bilanz etwas auf.

Die arrivierten Asse Landertinger, Eberhard und Eder will Groß schnellstmöglich wieder konstant ganz vorne sehen. "Sie sind alle schon am Podium gestanden und haben Medaillen gewonnen, auf die verlässt man sich in erster Linie." Der im Vorjahr noch mit Trainingsrückstand nach einer Bandscheiben-OP kämpfende Ex-Weltmeister Landertinger habe sich mittlerweile wieder gut stabilisiert. Bei Topläufer Eberhard sei nach wie vor das oftmals fehlerhafte Schießen ein großes Thema. "Im Training ist er in der Lage, die Scheiben erfolgreich zu bekämpfen, das ist eine Basis", meinte Groß über den Sprint-Vierten der Olympischen Spiele.

Die junge Garde um den schon im September mit einem fixen Weltcupstartplatz bedachten Felix Leitner soll möglichst bald zur Weltspitze aufschließen. "Wir wissen, dass wir im Nachwuchsbereich gewaltig Gas geben müssen. Es gilt den nahtlosen Übergang zu schaffen. Dafür haben wir Konzepte entwickelt", erläuterte Groß.

Vor seiner Zeit in Russland hatte der vierfache Staffel-Olympiasieger im deutschen Verband als Damentrainer und im IBU-Cup gearbeitet. "Die verschiedenen Nationen und Verbände ticken natürlich alle ein bisschen anders, aber überall ist alles auf Erfolg ausgerichtet. Ich kann mein bei anderen Nationen angeeignetes Wissen einbringen."

In Russland, wo er mit den ständigen Nachwehen des Staatsdopingskandals kämpfen musste, hatte Groß nach Auslaufen seines Vertrages keinen gemeinsamen Nenner mit der neuen Verbandsführung gefunden. Der ÖSV habe sich hingegen "sehr hartnäckig" um ihn bemüht. Außerdem kenne er das Führungspersonal um Markus Gandler seit vielen Jahren bestens, mit Co-Trainer Ludwig Gredler sei er in seiner aktiven Zeit viele Jahre gemeinsam unterwegs gewesen. "Das hat die Sache leichter gemacht, ich bin nicht in komplett etwas Neues reingerutscht."

In der Vorbereitung habe man auf möglichst viele gemeinsame Trainingseinheiten in Hochfilzen gesetzt, die separate Trainingsgruppe Biathlonschmiede mit Eder gibt es nicht mehr. "Am Stützpunkt in Hochfilzen finden wir alles, was wir brauchen", so Groß. Mehrmals sei man aber auch ins grenznahe Ruhpolding ausgewichen, wo der neue ÖSV-Trainer seit vielen Jahren zu Hause ist.




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