Auch achte Partie der Schach-WM in London endete remis

Die achte Partie der Schach-WM zwischen Weltmeister Magnus Carlsen und seinem Herausforderer Fabiano Caruana ist nach einem spannenden Kampf mit dem achten Unentschieden zu Ende gegangen. Caruana setzte den Weltmeister am Montag in London zwar von Beginn an unter Druck, verpasste aber trotz seines Vorteils den ersten Sieg. In der Gesamtwertung steht es damit 4,0:4,0.

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Auch achte Partie der Schach-WM in London endete remis

Der 26-jährige Herausforderer aus den USA eröffnete mit dem Doppelschritt des e-Bauern, wählte aber im Gegensatz zu den Partien zuvor die Hauptvariante gegen die Sizilianische Verteidigung, die zu einem offenen Kampf führt. Caruana war fantastisch vorbereitet und verbrauchte bis zum 20. Zug so gut wie keine Zeit.

Der Weltmeister hatte sich eine Schwächung am Königsflügel erlaubt, Caruana nutzte die Chance, im Zentrum durchzubrechen. Im 24. Zug verpasste er die Möglichkeit, mit der Dame am Königsflügelanzugreifen und gab dem Norweger die Zeit, wieder ins Spiel zurückzufinden. Carlsen agierte jetzt weltmeisterlich.

Er wehrte alle Drohungen ab und erzwang ein Endspiel mit jeweils einem Turm und ungleichfarbigen Läufern. Caruana versuchte noch einige Züge, seinen starken Freibauern auf der d-Linie einzusetzen, gab aber seine Bemühungen mit dem 38. Zug auf und bot ein Remis an.

Die neunte Partie findet nach einem Ruhetag am Mittwoch statt. Carlsen eröffnet dann mit Weiß. Das Match in London ist auf zwölf Partien angesetzt. Wer zuerst 6,5 Punkte erreicht, krönt sich zum Weltmeister. Bei Gleichstand erfolgt ein Tiebreak. Der Preisfonds beträgt eine Million Dollar.

Carlsen (r.) und Caruana halten sich gegenseitig in Schach

Der stille Kampf der Schach-Genies Carlsen und Caruana
Im Spielzimmer der Geistesriesen herrschen exakt 22,0 Grad Celsius. Immer. Hier steigt nur die Spannung. Eine Doppelglas-Panoramascheibe trennt die Protagonisten vom Auditorium der Neugierigen. Doch ein abgeschlossenes Biotop ist der Raum nicht, in dem sich Magnus Carlsen und Fabiano Caruana über ein Brett mit 64 Feldern und 32 Figuren beugen.

Rund 20 handverlesene Journalisten haben Zutritt zum Allerheiligsten, aber immer nur für fünf Minuten - klick-klick-klick, Blitze zucken. Dann müssen auch die Fotografen raus. Im angesagten "The College", einem viktorianischen Prachtbau in Holborn, mitten in London, beginnt dann keine Lektion, sondern ein stiller Kampf: Die beiden besten Schachspieler der Welt ermitteln den Weltmeister anno 2018. Und sie machen es spannend.

Das achte Remis im achten Match fühlte sich für Carlsen wie ein kleiner Sieg an - denn der Norweger hätte fast verloren. Die Rettung in höchster Not kam als falscher Bauernzug Caruanas daher, der die weißen Figuren führte - die Fans und Sekundanten des US-Amerikaners mit italienischen Wurzeln und zwei Pässen stöhnten.

"Das war ein enges Match. Er hatte alle Chancen. Deshalb bin ich wirklich froh, dass ich überlebt habe", meinte Titelverteidiger Carlsen. Und Caruana vergab eine weitere Chance, bei seiner ersten WM in Führung zu gehen. "Dass du Magnus etwas unter Druck setzt, heißt noch lange nicht, dass er zusammenbricht", sagte der Herausforderer, der letztlich für die Einstellung eines 23 Jahre alten WM-Rekords sorgte: Schon 1995 hatten sich der Russe Garri Kasparow und der Inder Viswanathan Anand in den ersten acht Partien stets remis getrennt.

Wenn Carlsen am Ende doch wieder gewinnt, dann ist der alte auch der neue Champion. Im wintersport-verrückten Norwegen ist der junge Mann sowieso schon ein Volksheld. Die Fans verehren den 27-Jährigen wie einen Skisprung-Olympiasieger oder einen Mega-Popstar. Doch der Titelverteidiger ist gewarnt: Der ein Jahr jüngere Caruana wird als gleichstark eingeschätzt. Nur drei Elo-Punkte, der Gradmesser der Geistesgrößen, trennen beide in der Weltrangliste.

Schon beim Einlass, eine Stunde vor dem ersten Zug um Punkt 15 Uhr Ortszeit, bilden sich lange Schlangen an der Southampton Row vor dem College. Bei besonders großem Andrang wird der Zugang zum Auditorium beschränkt: Die Zuschauer bekommen dann 30-Minuten-Zeitkarten, sogenannte Timeslots.

Die ersten fünf Minuten sind für CC die anstrengendsten, denn dann müssen sie das Klacken der Kameras und das verkrampfte Leisesein der Reporter ertragen. Danach dürfen nur vier Personen im Spielsaal bleiben: Titelverteidiger Carlsen, Herausforderer Caruana und die beiden Schiedsrichter. Handys sind verboten. Es gibt einen Ruheraum für die Duellanten, mit Sesseln, Snacks und Getränken.

Wer nicht stundenlang im Auditorium wie in einem großen Kinosaal sitzen will, der kann die Partien auf großen Flatscreens verfolgen - auf allen Ebenen im "College". So entgeht den Fans kein Zug. Das Medienzentrum ist immer bis auf den letzten Platz belegt. Englisch und Norwegisch sind allgegenwärtig. Aus dem VIP-Raum, der an einen elitären Countryclub erinnert, dringt aber oft auch Russisch - die Sprache der einstigen Dauerschachweltmeister.

Die Londoner WM-Schachabende sind mitunter sehr lang: So dauerte gleich die erste Partie sieben Stunden. Carlsen blieb wie immer cool, dem durchtrainierten Nordeuropäer wurde nur etwas kalt: Bei 22,0 Grad zog er sich die Jacke an. Und der aus Florida stammende Caruana? Er zog sein Sakko aus.



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